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Es blitzt etwas auf
Bildquelle: Günther Simmermacher/Pixabay

Es blitzt etwas auf

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Er ist weltberühmt und hat Geld wie Heu, der Fußballer Christiano Ronaldo aus Portugal. Er ist umstritten; auch weil er viel Geld verdient, angeblich einen Euro - pro Sekunde. Also auch, wenn er schläft. Neulich schläft er nicht, sondern ist mit der Mannschaft unterwegs zum Länderspiel. Nach dem letzten Training sitzt er mit der Mannschaft wieder im Bus zum Hotel. Er döst, schaut aus dem Fenster, Kopfhörer auf den Ohren. Im Vorbeifahren sieht er einen Jungen am Straßenrand. Der ist etwas dicklich und offensichtlich krank. Er trägt ein Sauerstoffgerät. In der Hand hält der Junge ein Plakat. Auf dem steht: „Christiano, gib‘ mir eine Umarmung.“ Der Bus fährt vorbei. Aber nicht lange. Der Fußballer bittet den Fahrer, anzuhalten. Der Junge wird in den Bus gebracht. Das kann er nicht alleine, er ist unheilbar krank. Der Fußballer hilft und hebt den Jungen zu sich. Dann umarmt er den Jungen mit Namen Eduardo. Bilder werden gemacht. Sie sind in den Zeitungen. Der Junge strahlt übers ganze Gesicht. Für den Fußballer ein winziger Moment, für den Jungen ein riesiges Glück. Vielleicht das Glück seines Lebens.

Da ist noch etwas, denke ich, wenn ich so etwas lese. Da ist noch etwas in der Welt, was nicht von dieser Welt ist. Dem Leben ist egal, wie alles läuft. Ob krank oder gesund, ob arm und reich, dem Leben selbst ist das gleichgültig. Ob gerecht oder nicht, das kümmert das Leben nicht. Das Leben lebt, mehr macht es nicht. Der Mensch macht etwas. Er denkt nach, ihm fällt etwas auf, er findet manches gerecht und anderes ungerecht. Dann genügt es Menschen nicht mehr, einfach nur zu leben. Sie wollen gestalten. Vielleicht in Liebe gestalten. In Fürsorge für die, die weniger Leben haben.

Dann hält man den Bus an, sozusagen. Als hielte man kurz sein Leben an.
Steigt aus, hilft dem Jungen in den Bus und umarmt ihn. Ein winziger Moment für den einen, ein Riesenglück für den anderen. Es blitzt etwas auf in der Welt, was nicht von dieser Welt ist. Man kann es Reich Gottes nennen. Das Reich der Fürsorge, des Mitfühlens mit anderen. Wo das Leben nicht einfach vor sich hin lebt, sondern ein Menschen eingreift. Und anderen zum Glück wird. Zum Glück des Lebens. Und wenn es eine Umarmung ist - im rechten Moment.     
 

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