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Sorgfalt nimmt sich selbst ernst
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Sorgfalt nimmt sich selbst ernst

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Sie geht ziemlich schwer. Schritt für Schritt. Kein Wunder, mit 87 Jahren. Vor ihr der Rollator und die Straße. Und es geht auch noch aufwärts. Da atmet man schon mal schwer. Aber sie lässt nicht nach. Bis sie oben angekommen ist. Beim Container für Altpapier. Erst einmal kurz verschnaufen. Dann holt sie Blätter und Zeitungen aus ihrem Korb am Rollator und wirft alles in den Container. Geschafft. Jetzt noch zur Bank. Die liegt gleich um die Ecke. Danach ein kleiner Einkauf, auch nicht weit entfernt. Alles mit schwerem Schritt. Und doch so kraftvoll und entschlossen wie möglich.

Rollator und Aufzug helfen den Alltag zu meistern

Man darf nicht nachlassen, sagt sie sich. Was noch getan werden kann, soll auch getan werden. Sorgfalt ist alles. Nicht nachlassen in der Sorgfalt. Papier wegbringen, einkaufen, sich ordentlich anziehen und mal zur Bank gehen. Sorgfalt nimmt sich selbst ernst. Schritt für Schritt. Auch wenn die Schritte schwerer geworden sind. Der Rollator hilft. Ein Hoch auf den, der dieses Teil erfunden hat. Und dann der Aufzug im Haus. Noch ein Geschenk. Es gibt ihn seit drei Jahren. Sonst könnte sie dort nicht mehr wohnen. Treppen sind kaum noch möglich. Der Aufzug ist ein Glück.

"Wer nicht nachlässt, muss dann auch ruhen können"

 Als sie nach fast zwei Stunden wieder zu Hause ist, kommt die Müdigkeit. Der überlässt sie sich auch. Und gerne. Wer nicht nachlässt, muss dann auch ruhen können. Nicht lange, vielleicht eine Stunde. Dann sind wieder neue Kräfte da. Es muss ja noch abgewaschen werden. Danach ein Tässchen starker Kaffee. Und Post beantworten oder verschicken. Die Enkel lieben Omas kleine Briefchen. Manchmal legt sie etwas Geld dazu. Alles mit Sorgfalt.

Gott dienen mit Sorgfalt für die Menschen

Je weniger geht, desto sorgfältiger wird sie. Auch Nachbarn kriegen manchmal Karten von ihr. Grüße oder Glückwünsche. Mit Rollator geht‘s dann zur Tür gegenüber. Oder ein Stockwerk höher mit dem Aufzug. Sorgfalt nimmt sich selbst ernst. Und andere ebenso. Sorgfalt dient Menschen. Sich und anderen. Und wer Menschen dient, ehrt Gott. Das tut sie. Gewissenhaft. Zur Kirche kann sie leider nicht mehr, schon vor Corona nicht. Wegen der Stufen. Sie dient Gott anders. Mit Sorgfalt für Menschen.

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