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Minimalismus
Bildquelle: Pixabay

Minimalismus

Tanja Griesel
Ein Beitrag von

Tanja Griesel,

Evangelische Pfarrerin, Kassel
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Sehr gern klicke ich mich durch die Bildergalerien von Pinterest oder Instagram. Fremde Menschen gewähren mir Einblicke in ihre wunderschönen Wohnungen. Seit Jahren herrscht ein Wohntrend vor. Man könnte ihn als skandinavischen Minimalismus bezeichnen: helle Räume mit ausgesuchten Möbeln und einigen wenigen Farbakzenten. Alles wirkt hell und klar und sehr, sehr aufgeräumt. Ich würde auch gern so wohnen. Aber ich bin dafür nicht gemacht. Ich bin eine Sammlerin. Ich liebe es, morgens vor meiner kleinen Tassensammlung zu stehen und zu überlegen, aus welcher davon ich heute meinen Kaffee trinken möchte. Ich besitze ein ganzes Regal voller Vasen, aber ich benutze immer nur eine davon, von Bett- und Tischwäsche will ich gar nicht erst reden.

„Häuft keine Schätze an!“, sagt Jesus in der Bergpredigt. Er selbst besaß kein Geschirr, keine vollen Wäscheschränke, noch nicht einmal eine Wohnung hatte er. Auch für damalige Verhältnisse führte er ein Leben, das auf das Wesentliche reduziert war. Er besaß nur das, was er am Körper trug. Er zog von Ort zu Ort und schlief dort, wo man ihn willkommen hieß. Er lebte von der Hand in den Mund. Die Menschen, die ihm folgten, lebten wie er. Sie ließen ihre Wohnungen und Habseligkeiten zurück. Fortan reisten sie mit leichtem Gepäck. Warum? Weil es die Sache erforderte. Jesus lebte für Gott und aus Gott. Und es gab nichts, das ihn davon abhielt, die Botschaft vom Reich Gottes zu verbreiten.

Wer heute minimalistisch lebt, tut dies in der Regel nicht, um den Lebensstil Jesu zu kopieren. Wer weniger besitzt, muss weniger aufräumen und instand halten, der hat mehr Geld für schöne Erlebnisse und Reisen zur Verfügung. Als Christin kann ich entscheiden, wie ich leben möchte. Mein Glaube hängt nicht daran, ob ich spartanisch lebe oder mit den vielen Erinnerungsstücken, die sich im Lauf meines Lebens angesammelt haben. Wichtig ist, aus welchem Geist ich lebe. Bin ich der Herrschaft der Dinge verfallen oder führe ich mein Leben aus dem Geist der Freiheit, die Gott mir schenkt?

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