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Wem kann ich noch vertrauen?
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Wem kann ich noch vertrauen?

Steffen Flicker
Ein Beitrag von

Steffen Flicker,

Schulleiter der katholischen Schule Marianum Fulda und Vorsitzender des Katholikenrates im Bistum Fulda
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Skandale! Unwahrheiten! Leere Versprechungen! Jeden Tag werde ich durch die Medien mit Schlagzeilen konfrontiert, die mein Vertrauen schwinden lassen. Ich stelle mir die Frage, wem ich überhaupt noch vertrauen kann. Dabei ist doch Vertrauen und Vertrauen-Können eine der wichtigsten Grundlagen für das menschliche Zusammenleben.

Vertrauen – damit beginnt das Leben. Der Mensch kommt auf die Welt und er ist Hilfe angewiesen. Er vertraut auf Menschen. Auch bei meiner siebenjährigen Tochter stelle ich oft fest: Unbekümmert geht sie die Dinge an. Die Basis ist Vertrauen.

Was aber, wenn Vertrauen fehlt? Das kann schlimmstenfalls zur Katastrophe führen. Wenn sich Menschen einander nicht Vertrauen entgegenbringen, ja schenken können, dann wird es immer wieder zu Konflikten kommen.

Viel ist heute die Rede von der "Vertrauenskrise". Gegenüber Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Kirche schwindet das Vertrauen. Zu oft gibt es Enttäuschungen oder ungehaltene Zusagen. Was für den öffentlichen Bereich gilt, das trifft aber leider auch bei manchen Menschen für deren private Beziehungen zu. Gegenseitiges Vertrauen ist erschüttert – es neu aufzubauen, ist ein mühsamer Prozess, ein langer Weg – Ende ungewiss.

Wie lässt sich Vertrauen wieder aufbauen? Grundlage dafür ist sicher Ehrlichkeit – Wahrhaftigkeit. "Euer Ja sei ein Ja, euer Nein sei ein Nein!" – so unmissverständlich heißt es in der Bibel, im Matthäus-Evangelium. (Mt 5, 37) Aber: Wenn das immer so einfach wäre!

Eindeutig sein – nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Ich denke, dass dies erste Voraussetzungen dafür sind, dass Vertrauen entstehen kann, sich entwickeln kann. Wenn das ausgesprochene Wort auch morgen noch Gültigkeit hat, wenn Menschen zu ihren Aussagen und Zusagen stehen, dann bildet sich Vertrauen.

Ich vergleiche dies gern bildlich mit der Pflanzenwelt: Vertrauen ist eine recht zarte Pflanze, die wachsen will – und die ganz leicht zerstört werden kann. An dieses Bild muss ich immer denken, wenn ich mir die Notwendigkeit von Vertrauen klar mache.

Wenn der Wunsch nach einer "vertrauensvollen Zusammenarbeit" formuliert wird, ist dies oft eine Floskel. Für mich ist dies mehr. Vertrauen ist das Fundament in der Familie, im Freundeskreis und im Beruf. Und wenn eine Zusammenarbeit gut sein soll, dann bedarf sie des Vertrauens. Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen Vertrauen geschenkt wird und dass Sie anderen Vertrauen schenken können. Mein Wunsch, versuchen wir es einfach: vertrauen wir einander.

 

 

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