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Ohne Vergeben geht's nicht
Bild: sarah richter_pixabay

Ohne Vergeben geht's nicht

Rolf Müller
Ein Beitrag von

Rolf Müller,

Pastoralreferent Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Frankfurt
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Da war ich sauer! Ein alter Bekannter wollte sich unbedingt mal wieder mit mir treffen. Dreimal haben wir einen Termin ausgemacht, und dreimal hat er mir kurz vorher abgesagt. Letzte Woche hat er wieder angerufen: „Es tut mir wirklich leid”, hat er mir gesagt. Ich habe erst einmal tief Luft geholt und mich gefragt: Meint er es ernst damit? Soll ich sauer bleiben? Das Gespräch beenden? Oder: ihm einfach nur vergeben?

Nie genug vergeben

Ich kenne mich: Ich tu mir mit dem Vergeben oft so verflixt schwer; gerade wenn ich eingeschnappt bin. Und ich frage mich oft: Wenn das bei Kleinigkeiten schon so schwer mit dem Vergeben ist, wie soll das dann bei den wirklich großen Sachen funktionieren? Manchmal denke ich dann an die Antwort Jesu, die er Petrus in der Bibel gegeben hat. Der wollte wissen, wie oft man seinem Bruder vergeben muss. Da hat Jesus geantwortet: Nicht nur sieben Mal, sondern sieben mal siebzig Mal (vgl. Matthäus-Evangelium 18, 21-23). Jesus sagt mir damit: Ich soll immer wieder versuchen, zu vergeben, auch wenn’s mir noch so schwerfällt.

Auch dem, der vergibt, geht es besser

Eigentlich weiß ich ja, wie wichtig das ist. Ich glaube: Nur Vergebung schafft wirklich Frieden und einen Neuanfang. Gerade für die Zeit nach der Corona-Krise halte ich das für sehr wichtig. Niemand konnte im letzten Jahr immer genau zu einhundert Prozent wissen, was zur Bewältigung der Pandemie zu tun ist. Es war für alle neu, so eine Krise zu bewältigen. Da sind bestimmt viele Fehler Jahr passiert. Ich denke da an Politikerinnen und Politiker, Virologen, aber auch an mich selbst. Ich bin überzeugt davon: Nur, wenn wir lernen, einander zu vergeben, klappt ein echter Neuanfang. Und viele Psychologen sagen: Wer verzeihen kann, lebt zufriedener.

Vergeben lohnt sich

Ich will das Vergeben bei mir im Kleinen schon üben. Denn ich glaube fest daran:  Nur so klappt Versöhnung – und Versöhnung ist für mich ein anderes Wort für „neues Leben”. Das passt für mich wunderbar zu Ostern!

Übrigens: Mit dem alten Bekannten hat das mittlerweile schon mal geklappt. Wir haben uns dann doch zu einem langen Spaziergang getroffen – es war sehr schön!

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