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Esther, eine mutige Frau
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Esther, eine mutige Frau

Michael Friedrich
Ein Beitrag von

Michael Friedrich,

Volkshochschulleiter und Diakon, Hosenfeld
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Es war eine beeindruckende Vorstellung, die wir gesehen hatten. Ein Kinder- und Jugendchor hatte das Musical Esther aufgeführt. Am Ende der Vorstellung hatten wir Gänsehautgefühl, so überzeugend haben die 7 bis 19 Jahre alten Künstler gespielt, getanzt und gesungen. Das Musical erzählt die Geschichte der Königin Esther, die man in der Bibel lesen kann.
Das hat sich schon vor rund 2500 Jahren im Zweistromland, dem heutigen Irak, ereignet - und hat Romanqualität. König Xerxes verstößt seine Frau. Die neue Königin soll aus dem Kreis der je schönsten Frau, der zum Reich gehörenden 127 Provinzen ausgewählt werden. Auf die Begegnung mit dem König werden die Frauen ein Jahr lang in einer Art Beauty-Farm vorbereitet. Als endlich der große Tag kommt, fällt die Wahl auf Esther. Äußerlich ist sie eine wunderschöne Frau, aber innen trägt sie Narben: Als kleines Kind verlor sie sehr früh Vater und Mutter. Erzogen wurde sie von ihrem Vetter Mordechai. Sie sind Juden, aber als Minderheit im persischen Reich waren sie Anfeindungen ausgesetzt. Um Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, verschwieg die Familie Esthers jüdischen Glauben.
Nach dem König war Haman der zweite Mann im Reich. Haman – von Xerxes mit allen Vollmachten ausgestattet – ärgerte sich über Mordechais Weigerung sich vor ihm niederzuwerfen. Denn für Mordechai galt: Er verbeugt sich nur vor Gott. Haman war sauer und ordnete daraufhin an, dass alle Juden im Reich getötet werden sollen. Das wurde aber für Esther aufgrund ihres jüdischen Glaubens schwierig.
Mordechai fordert daher sein Ziehkind auf, beim König zu intervenieren. Das hat nur einen Nachteil, denn es gilt die Regel: Wer ungefragt vor den König tritt, wird getötet. Einzige Ausnahme: Der König nimmt sein Zepter, zeigt auf die unaufgefordert eingedrungene Person, und gewährt ihr damit Gnade. Das ist der Wendepunkt in der Geschichte: Statt des vorsichtigen Verhaltens der Vergangenheit, statt Anpassung und Taktieren ist jetzt Mut gefragt. Esther muss mutig sein, muss etwas riskieren. Sie muss ihre eigene Sicherheit für das Wohl ihres jüdischen Volkes auf Spiel setzen. Und Esther geht zum König.

 

Ich denke, Sie kennen wie ich solche Situationen. Manchmal gibt es Dinge im Leben, die einfach getan werden müssen. Aus einem inneren Antrieb heraus oder aus der Überzeugung: Ich kann jetzt nicht anders.

 

Auch heute benötigt es Mut, in bestimmten Situationen aufzustehen, den Mund aufzumachen und Haltung zu beweisen. Und ich bin überzeugt davon, dass uns gerade ein solches mutiges Verhalten beglückt.

 

Weil damals vom König erlassene Anordnungen nicht mehr zurückgenommen werden konnten, erreichte Esther die offizielle Erlaubnis, dass die Juden sich wehren durften. Damit rettete Esther ihr Volk.

 

Die Brisanz dieser Situation - mit ihrer Aufführung brachten die Jugendlichen dies hervorragend zum Ausdruck. Apropos Jugendliche: Die bewiesen mit ihrer Aufführung ebenfalls ganz persönlich Mut. Und bekamen dafür einen herzlichen langanhaltenden Applaus

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