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Heute kommt der Nikolaus
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Heute kommt der Nikolaus

Marcus C. Leitschuh
Ein Beitrag von

Marcus C. Leitschuh,

Katholischer Religionslehrer und Autor, Kassel
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Heute Nacht werden sich wieder ungewöhnliche Szenen vor deutschen Haustüren abspielen. Eltern horchen genau hin, ob die Kinder schon schlafen. Wenn es still ist, öffnen sie leise die Wohnungstür und füllen die dort aufgereihten Schuhe mit Süßigkeiten. Am Morgen haben es die Kinder dann ganz eilig, noch im Schlafanzug vor der Tür nachzusehen. Die Frage lautet, ob der Nikolaus wohl etwas gebracht hat.

Nikolaus war im 4. Jahrhundert Bischof von Myra, dem heutigen Demre in der Türkei. Seit dem sechsten Jahrhundert wird er als Heiliger verehrt, der vor allen Dingen Kindern half. Daraus entwickelte sich der Brauch, in seinem Namen Kindern an seinem Todestag etwas Gutes zu tun. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich als Kind wirklich an den Nikolaus geglaubt habe, wohl aber daran, dass es Menschen am 6. Dezember gut mit Kindern meinen. Irgendwie war mir wohl schon klar, dass die Nachbarn und meine Eltern hinter der Füllung der Stiefel steckten. Und ich versuchte, vor dem 6.12. nicht zu viel Blödsinn zu machen. Denn mit dem Nikolaus sollte immer auch der Knecht Ruprecht unterwegs sein und vorlesen, ob die Kinder auch brav gewesen seien. Heute weiß ich, dass der Knecht Ruprecht wohl deshalb zum Nikolaus hinzuerfunden wurde, weil es den Kindern nicht zu leicht gemacht werden sollte. "Das wäre ja noch schöner, wenn so ein Bischof Nikolaus einfach so von Haustür zu Haustür geht und allen Kindern hilft" - mögen sich die Erwachsenen gedacht haben. Ja, das war besonders schön vom echten Nikolaus, dass er tatsächlich ein guter Mensch war, der ohne Bewertung geholfen hat.

Auch wenn Sie die Tradition lange nicht mehr gepflegt haben, vielleicht legen Sie den Nachbarskindern heute auch mal wieder etwas in die Schuhe - ganz ohne kritisches Nachfragen. Einfach so, weil der Heilige Nikolaus daran erinnert, dass alle Kinder Hilfe brauchen und ein Zeichen der Wertschätzung.

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