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Wo du nur eine Spur siehst habe ich dich getragen
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Wo du nur eine Spur siehst habe ich dich getragen

Michael Friedrich
Ein Beitrag von

Michael Friedrich,

Volkshochschulleiter und Diakon, Hosenfeld
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Ich sitze am Schreibtisch. Am Beginn dieser Woche frage ich mich: Was wird mir diese Woche bringen? Wird meine Arbeitswoche erfolgreich sein? Werde ich Menschen um mich haben, die mich stützen, mir helfen, mich tragen?
Da fällt mir ein Handschmeichler auf, der vor mir liegt. Darauf die Inschrift: Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen. Die gesamte Geschichte von den „Spuren im Sand“ kommt mir ins Gedächtnis.
Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn, wie die Autorin Magaret Fishback Powers, Gott in dieser Erzählung bezeichnet. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn. Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Weges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn: "Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?" Da antwortete er: "Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen." Soweit die Erzählung.
Die kommende Woche vor Augen stelle ich für mich fest, oft stimmt die Erfahrung: Wenn es mir gut geht und ich erfolgreich bin, habe ich viele Freunde. Geht es mir aber schlecht, wird die Zahl der Freunde oft spürbar weniger. Dadurch entsteht der Eindruck: Es sind wenige Menschen, die es interessiert wie es mir wirklich geht.
Aber es gib eine andere Sichtweise, nämlich die Sichtweise des christlichen Glaubens. Die sagt klar: „So ist es nicht!“ Es gibt jemanden, dem ich nicht egal bin. Es gibt jemanden, dem ich wichtig bin, nämlich Gott. Gott interessiert sich für mich. In der Bibel steht über Gott: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir“ (vgl. Psalm 139, 5). Und „ich bin bei euch alle Tage,“ (vgl. Mt. 28, 20) Ganz egal wo wir sind und was wir tun: Gott, der es gut mit uns meint, ist in unserer Nähe.
Dies ist eine Gewissheit, die mir guttut. Eine Gewissheit, die meinen Blick weitet. Eine Gewissheit, die mich positiv auf die Menschen in meiner Umgebung zugehen lässt und mich auch erkennen lässt, wie gut diese auf mich eingehen. Uns so mache ich die Erfahrung: Meine Mitmenschen helfen mir und unterstützen mich. Religiös
gesprochen: In ihrem Handeln entdecke ich göttliches Wirken. Und noch etwas: Ich selbst kann durch mein Handeln für andere Gott erfahrbar machen.
Wie steht es auf meinem Handschmeichler: „Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen!“. Ich nehme den Handschmeichler in die Hand: Ja, das fühlt sich wirklich gut an.

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