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Segen
Bild: medi.tv/Schauderna

Segen

Helmut Wöllenstein
Ein Beitrag von Helmut Wöllenstein, Evangelischer Propst i. R., Sprengel Marburg
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"Können Sie mich segnen?" Ein junger Mann kommt nach dem Gottesdienst zu mir mit dieser Frage. Ich sage: "Ich habe sie doch gerade erst gesegnet" - "Ja, aber ich bitte sie um einen persönlichen Segen." Er wirkt bedrückt und gehetzt. "Ich muss ins Krankenhaus", sagt er, "…sieht nicht gut aus." "Möchten Sie darüber sprechen?", frage ich. Er schüttelt den Kopf, will jetzt einfach nur gesegnet werden. Am liebsten dort, in der Ecke, wo die Kerzen stehen und das kleine Kreuz. Also gehen wir zusammen hin. Ich halte meine Hände ganz dicht über ihm und sage leise: "Gott segne dich, Gott behüte dich, Gott sei bei dir und stärke dich auf deinem schweren Weg. Geh hin in Frieden". – Er nickt, bedankt sich mit Tränen in den Augen. Sein Kummer ist nicht verschwunden. Und doch ist etwas anders. Er ist ruhiger. Er ist gesegnet. Und ich bin es auch. Wir beide spüren: Da ist eine Kraft, die ist größer als wir beide.

Viele Menschen sagen bei Umfragen, sie gehen zum Gottesdienst vor allem, um gesegnet zu werden. Diese 18 Sekunden am Ende sind ihnen das Wertvollste. Und für mich gehört es zum schönsten, das ich als Pfarrer tun kann. Menschen den Segen Gottes zusprechen: Kindern wenn sie getauft werden, Paaren bei der Trauung, Menschen in schwierigen Situationen, zuletzt auch bei der Beerdigung den Toten, für einen Weg, den keiner mitgehen kann.

Doch am besten ist es mitten im Leben. Wenn wir vor lauter Freude platzen könnten, wenn wir feiern und singen: Viel Glück und viel Segen auf all deinen Wegen. Alles was dein Leben reich macht, soll groß werden und zum Leuchten kommen. Und wenn es anders kommt, sollst du nicht ins Bodenlose fallen. Denn Segen ist keine Garantie für das Gute. Menschen werden gesegnet und trotzdem krank. Paare werden gesegnet, doch ihre Ehe kann scheitern. Aber sie bleiben gesegnet. Sie bleiben Gott anvertraut. Ich kann mir den Segen nicht selbst geben. Und keiner kann ihn mir wegnehmen. Er wird mir zugesprochen und dann geht er mit. - Es muss übrigens keine Pfarrerin sein, die den Segen gibt. Jeder Mensch kann um Segen bitten: Viele tun das, im Alltag, ganz normal vor einer Mahlzeit "Komm Herr Jesus sei unser Gast und segne was du uns bescheret hast". Oder man wünscht sich "gesegnete Mahlzeit".

"Gott segne dich und behüte dich." Das ist heute die Tageslosung, das spezielle Bibelwort für jeden Tag, das zufällig aus einer großen Lostrommel gezogen wird. In diesem Sinne: "Seien Sie gesegnet."

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