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Hände
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Hände

Andrea Seeger
Ein Beitrag von

Andrea Seeger,

Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Wenn man Menschen fragt, worauf sie bei anderen zuerst achten, sagen viele: Augen. Nicht wenige antworten auch: Schuhe. Bei mir sind es die Hände.

Die betenden Hände von Albrecht Dürer

Vielleicht liegt das an meinem Großvater. In seinem Wohnzimmer hing, seitdem ich denken kann, ein Druck des wohl berühmtesten Bildes von Albrecht Dürer: die betenden Hände. Ich mochte dieses Bild schon als Kind und mag es immer noch.

Hände können viel erzählen

Es sind schöne Hände, Hände, denen ich nichts Böses zutraue. Hände erzählen viel. Über Beruf und Hobbys, Schicksale und Lebenserfahrungen, Alter und Krankheiten. Aus nicht weniger als 27 Knochen besteht die menschliche Hand. Sie ist wunderbar, einzigartig und unersetzlich. Die Hand eines Menschen vermag vieles: Von der zärtlichen Berührung bis zum kraftvollen Zupacken, von Festhalten bis Loslassen, vom freundlichem Zuwinken bis zur Drohung.

Die Hände Gottes

Gott stelle ich mir mit Händen vor, an vielen Stellen in der Bibel ist davon die Rede. Sie versprechen Schutz und Geborgenheit. Tiefer als in seine Hand kann ich nicht fallen. „Seht meine Hände“, sagt Jesus. Und schon habe ich Bilder im Kopf von Händen, die Brot und Fische vermehren, Kranke heilen, Menschen segnen.

Hände mit Altersflecken

Und von meiner Freundin Sabine. Wir sitzen im Urlaub am Küchentisch und bereiten zusammen das Abendessen vor. Die Lampe scheint sehr hell. Plötzlich schreit sie entsetzt auf. „Guck mal!“ und zeigt auf ihren linken Handrücken. Ich sehe leider - nichts. „Ja, hier, schau mal genau hin! Die kleinen braunen Flecken.“ Ja und, sage ich.

Wir altern – unweigerlich, vom Tag der Geburt an

„Das sind Altersflecken – oh, mein Gott.“ Sabine lässt sich kaum beruhigen. „Du bist doch erst Anfang 40, da kannst du doch nicht von Alter sprechen“, versuche ich, die Situation zu entschärfen. Es hilft alles nichts: An diesem Tag versteht meine Freundin, dass wir altern – unweigerlich, vom Tag der Geburt an.

Der Fleckenschreck ist schon viele, viele Jahre her. Es erübrigt sich fast zu sagen, dass sie sehr gut aussieht, schlank und durchtrainiert ist. Jedes Mal, wenn wir uns treffen, frage ich sie: Wie viele Punkte sind es nun? Wir müssen beide lachen. 

Inzwischen schaue ich auch bei mir auf die braunen Punkte. Sie machen mir aber keine Angst. Das liegt vermutlich an der Altersmilde.                    

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