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Hasenrausch
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Hasenrausch

Maike Westhelle
Ein Beitrag von Maike Westhelle, Evangelische Pfarrerin, Schulseelsorgerin, Kassel
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Frau Klein ist in einen Hasenrausch geraten. Um genau zu sein in einen Handarbeits-Hasen-Rausch. Ich habe jetzt Handtücher, ein Kissen, einen Turnbeutel, sogar einen Buchumschlag mit Hasen. Sie sind wirklich herzallerliebst und auf all den genähten Sachen steht „Frieda“ drauf. Mal gestickt, mal gestempelt oder mit aufgesetzten Buchstaben. Ich bin mir sicher: Frieda wird alle diese Sachen lieben! Das Handtuch mit den Hasenohren ist schon ihr neues Lieblingsstück.

Frau Klein hat viele Stunden daran genäht. Sie hat viel investiert, um mir all diese Hasen-Sachen für Frieda zu machen. Dabei kennen wir uns gar nicht. Sie ist die Mutter meines Lieblingsnachbarn. Der hatte mir mal so ein Hasenhandtuch gezeigt und ich war spontan begeistert. „Das wäre was für mein Patenkind Frieda!“

Dieser Satz war der Anfang vom Hasenrausch. Und natürlich freue ich mich sehr über diese wunderschönen Sachen. Ich fühle mich reich beschenkt – aber ich würde so gern etwas zurückgeben oder wenigstens das Material bezahlen. Aber das wird kategorisch abgelehnt. „Das sind einfach Geschenke. Hauptsache, Frieda freut sich“ lässt mir Frau Klein ausrichten.

Ich merke, wie schwer es mir fällt, mich so beschenken zu lassen. Ich habe das ja durch nichts verdient. Hasen in Fülle – das fällt mir schwer, anzunehmen. Dabei predige ich oft über die Fülle, die Gott uns schenkt. Christen leben von den Geschenken Gottes; auch ohne, dass sie etwas dafür tun. Das Leben, die Liebe, dass ich Gott vertrauen kann und mir das Kraft gibt – all das wird mir geschenkt. Vielleicht übersehe ich manchmal, wie reich ich beschenkt bin von Gott. Aber die Hasenfülle, die zeigt mir, wie viel ich unverdient bekomme.

Ich bin Frau Klein sehr dankbar. Und jetzt will ich wieder stärker auf Gottes Geschenke achten und sie würdigen. Denn „aus seiner Fülle haben wir alles empfangen, Gnade über Gnade.“ (Joh. 1,16)

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