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Dem Rad in die Speichen fallen
Bildquelle: Goran Horvat/Pixabay

Dem Rad in die Speichen fallen

Andrea Wöllenstein
Ein Beitrag von

Andrea Wöllenstein,

Pfarrerin im Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marburg
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Freitag ist Demo Tag. Seit vielen Wochen demonstrieren Schülerinnen und Schüler für eine bessere Klimapolitik. Sie wollen die Zukunft nicht länger Politkern überlassen, von denen sie sich nicht vertreten fühlen. Sie wollen sich nicht später von ihren Kindern vorwerfen lassen: Ihr wusstet doch Bescheid – warum habt ihr die Klimakatastrophe nicht aufgehalten?

Auch heute vor 85 Jahren sind Männer und Frauen aufgestanden. Sie wollten dem „Rad in die Speichen fallen“, wie Dietrich Bonhoeffer den Widerstand bezeichnet hat. Ein Jahr zuvor war Adolf Hitler zum Reichkanzler ernannt worden. Sein Ziel: Alle Bereiche der Gesellschaft sollten seiner Herrschaft und Ideologie unterworfen werden. Auch die Kirchen. Über die Besetzung von einflussreichen Ämtern sollte nach und nach die christliche Verkündigung „gleichgeschaltet“ werden. Ein Teil der Kirchenmitglieder machte bereitwillig mit. Ihr Deutschtum war ihnen so wichtig, dass sie sich „Deutsche Christen“ nannten. Ein anderer Teil leistete Widerstand und gründete die „Bekennende Kirche“. Hier sammelte sich die Oppositionsbewegung der verschiedenen protestantischen Landeskirchen. Auf einer Synode verabschiedeten sie am 31. Mai 1934 eine Stellungnahme, die als „Barmer Theologische Erklärung“ in die Geschichte eingegangen ist.

Sechs Thesen beziehen Position. Sagen, was sie vom Evangelium her als richtig erkannt haben und benennen klar und deutlich, was in ihren Augen falsch läuft in der Kirche und in der Gesellschaft. Sechs Mal heißt es: „Wir verwerfen die falsche Lehre….“ Zum Beispiel „ die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden …“ (5. These) Diese Erklärung war wegweisend und ist es bis heute. Ihr Wortlaut ist darum im Evangelischen Gesangbuch abgedruckt.

Im Rückblick wissen wir: Es wäre viel mehr Widerstand nötig gewesen. Wichtige Themen fehlten selbst in der Barmer Erklärung. Zum Beispiel eine deutliche Abgrenzung vom nationalsozialistischen Antisemitismus und der Judenverfolgung.
Aus den Fehlern von damals können wir lernen. Dass wir aufmerksam sind und die Finger in die Wunden unserer Zeit legen. Wie es die Schülerinnen und Schüler tun. Und wie es in den nächsten Tagen geschieht während der. „Aktionstage für Nachhaltigkeit“. Da geht es darum, nicht nur gegen etwas zu demonstrieren, sondern konkret zu zeigen, was wir tun können für die Umwelt. Denn: Jeder kann etwas zum Besseren verändern. Jede kann dem „Rad in die Speichen fallen“.
 

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