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Farben für den Winter
Bild: enriquelopezgarre/Pixabay

Farben für den Winter

Bernd Spriestersbach
Ein Beitrag von Bernd Spriestersbach, Evangelischer Pfarrer i. R., Fulda
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Frederick sammelt Farben für den Winter. Frederick, der Mäuserich. Das Kinderbuch von Leo Lionni erzählt von den Mäusen im Herbst. Sie sammeln Vorräte für den Winter. Nüsse, Körner, Stroh schaffen sie in den Mäuse Bau. Hart arbeiten die Feldmäuse. Und Frederick? Er sitzt da. Schaut in die Welt und in die Sonne. „Ich sammle Farben für den Winter“, erklärt er den anderen Mäusen. Von den schönen Erinnerungen will Frederick zehren. Wenn die Tage dunkel werden.

Wir haben es wie Frederick gemacht. Waren unterwegs. In den Herbstferien. Mit dem Wohnmobil. Haben die letzten Sonnentage genossen. Wollten Farben für den Winter sammeln. So wie Frederick. Wenn die Tage dunkel werden, sich erfreuen an Erlebtem. Sich dankbar erinnern an erlebtes Gutes. Von Glücksmomenten und schönen Dingen erzählen. Das hilft. Nicht nur im Winter. 

An Gutes dankbar sich erinnern. Schönes nicht vergessen. Bilder gelungener Tage in der Seele sich bewahren. Das hilft. In den trüben Tagen des Lebens. Das gilt auch für die trüben Stunden meines Glaubens. Wenn ich nichts von Gott spüre. Verzagen möchte.

„Achte gut auf dich und deine Seele, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben“, heißt es in der Bibel (5. Mose 4,9). Der Hinweis ist gut für mich. Weil ich vergesslich bin. Was Gottes Handeln angeht. In meinem Leben.

Dabei bin ich reich beschenkt mit Familie, mit Gesundheit, mit treuen Freunden. So viel Gutes, was ich unverdient erfahren durfte. Wie oft hat Gott mich bewahrt. Mich getragen in schweren Zeiten. Die dankbaren Erinnerungen daran, das sind die Farben für den Winter meiner Seele.

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