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Wandern
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Wandern

Dr. Ursula Schoen
Ein Beitrag von

Dr. Ursula Schoen,

Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt
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In den vergangenen Monaten haben viele eine deutsche Leidenschaft wiederentdeckt: das Wandern!  Ich bekomme seit einiger Zeit regelmäßig Tipps aus meiner Umgebung: „Das Wispertal ist etwas ganz Besonderes!“ Oder: „Auf dem Weinwanderweg hat man einen herrlichen Blick auf den Rhein.“ Eine Frankfurter Freundin geht gar nicht weit, um ihre Wanderlust auszuleben. Sie sagt zu mir: „Du, ich habe gerade wieder gemerkt, wie schön ein Abendspaziergang am Main ist!“

Beim Wandern bewegen sich Körper und Geist

Ich selbst bin in den letzten Wochen gewandert. Beim Laufen habe ich viel entdeckt: das Licht auf der Landschaft, einen ungewöhnlich gewachsenen Baum, den weiten Himmel. Beim Wandern oder einfach nur Gehen habe ich mich frei und lebendig gefühlt. Ich habe gespürt: Ein Weg liegt vor mir. Mein Körper, aber auch mein Geist bewegen sich. Das Gehen hat wie eine Gegenkraft zu dem verordneten Rückzug –  dem Lockdown – gewirkt.

Jesus der Wanderprediger

Ich weiß mich beim Wandern in bester Gesellschaft. Auch Jesus ist gewandert. Er hat lange Wege mit seinen Anhängern zurückgelegt – zu Fuß. Einige Bibelwissenschaftler nennen deshalb Jesus einen Wanderprediger und das, was er ausgelöst hat, eine „Wanderbewegung“. Begonnen hat sie rund um den See Genezareth im Norden des damaligen Israel/Palästina. Über viele Etappen sind Jesus und die Seinen durch das Land nach Süden gewandert bis nach Jerusalem.

Im römisch besetzten Palästina fehlte eine Zukunftsperspektive

Die Römer hatten damals Palästina besetzt und in das römische Reich eingegliedert. Sie hatten Herodes zum Herrscher eingesetzt. Er regierte als Abhängiger von Rom mit Gewalt und Unterdrückung. Ein freies Leben war nicht möglich. Eine Zukunftsperspektive fehlte. Die politische Lage war unübersichtlich. Viele Menschen waren mutlos.

Jesus verkündete eine neue Zeit

Durch dieses fremdbestimmte, stillgelegte Land zog Jesus mit seinen Anhängern und Anhängerinnen. Wohin er kam, sagte er den Menschen: Eine neue Zeit ist angebrochen. Jesus nannte diese neue Zeit das Reich Gottes. Ein Reich des Friedens und der Gerechtigkeit.

Die neue Zeit: Heilung, Nähe, Gemeinschaft

Jesus sprach nicht von festen Kanzeln oder Rednerpulten. Er predigte auf dem offenen Feld. Er ging zu Menschen. Er redete bei Tischgesprächen und mit Leuten, die er unerwartet unterwegs traf. In der Bibel werden viele solcher Begegnungen beschrieben. Jesus ließ Menschen hautnah spüren, was diese neue Zeit bedeutet: Heilung, Nähe, Gemeinschaft. Wie ein Wunder hat das gewirkt.

Jesus hat die Menschen wieder in Bewegung gebracht

Menschen, die in ihrem Leben auf der Stelle traten, sind wieder in Bewegung geraten. Jesus traf Menschen, die gelähmt waren, verkrümmt oder gefangen in dem, was sie falsch gemacht hatten. Zu ihnen sagte Jesus: Steh auf, richte dich auf und geh! Das hat Heilungskräfte in Bewegung gesetzt und war der erste Schritt auf einem neuen, freieren Weg.

Beim Wandern offen werden, für das was kommt

Wenn ich wandere, denke ich oft an diese Jesusbewegung. Ich will mich nicht fixieren auf das, was zurzeit nicht möglich ist. Ich nutze, was geht, und gehe und werde dabei offen für das, was kommt.

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