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Ostern: Auferstehung aus dem Koma

Ostern: Auferstehung aus dem Koma

Verena Maria Kitz
Ein Beitrag von

Verena Maria Kitz,

Pastoralreferentin im Refugium für Mitarbeitende in Caritas und Pastoral des Bistums Limburg
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Die Osterwoche geht langsam zu Ende. Aber ich habe einen Brief bekommen, der mir Ostern noch mal neu nahe gebracht hat. Eine Bekannte hat mir von ihren Besuchen im Pflegeheim geschrieben: Sie besucht da seit ein paar Jahren eine Dame, die sonst niemanden hat.

Im Nachbarbett dieser Dame war eine andere Patientin, im Wachkoma. Sie lag nur so da, mit offenen Augen, war nicht ansprechbar. Besuch hat sie nie bekommen, und so hat sich meine Bekannte angewöhnt, jedes Mal auch kurz zu ihr ans Bett zu gehen. Hat ihr ein paar Minuten die Hand gehalten und zum Schluss ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Sie wusste vom Pflegepersonal, dass die Dame Christin war.

Über ein Jahr ging das so. Und dann, wieder mal bei einem Besuch vor ein paar Monaten, fing die Patientin im Wachkoma auf einmal an zu weinen, als meine Bekannte ihre Hand genommen hat. Und hat irgendwas gemurmelt und gelächelt. Unglaublich – nach diesen Jahren im Koma. Die Ärzte konnten es kaum glauben. Meine Bekannte ist weiter hingegangen und ganz allmählich ging es der Dame immer etwas besser: Inzwischen kann sie ein paar Worte sprechen, mit einem Löffel  essen und freut sich über Musik.

Was da passiert ist, das ist für sie dieses Jahr Ostern, hat meine Bekannte geschrieben. Dass jemand wie tot war, aber mit Gottes Hilfe wieder ins Leben gekommen ist. Zwischendurch hat sie auch gezweifelt, schreibt meine Bekannte, ob  ihre Besuche Sinn haben, kam sich irgendwie blöd vor. Aber trotzdem: Gott war dabei, so hat sie das gespürt.

Der Brief hat mich sehr bewegt: Jemand, die wie tot war, ist neu ins Leben  zurückgekommen. Durch die treuen Besuche meiner Bekannten, bestimmt, aber machen konnte sie das auch nicht. Mir zeigt das ganz viel von dem, was Ostern und  die Auferstehung bedeuten: Gottes Liebe ist stärker als der Tod und hat viel mehr  Möglichkeiten als ich sehen kann: Nicht erst nach dem Tod, sondern auch schon hier und jetzt, mitten in meinem Leben.

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