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Danke sagen
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Danke sagen

Dr. Klaus Dorn
Ein Beitrag von

Dr. Klaus Dorn,

em. Dozent am Kath.-Theol. Seminar, Marburg
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"Danke", sagte das kleine Mädchen zu der Stewardess, die ihr lächelnd das gewünschte Getränk servierte. Es flog gerne mit seiner Mutter, immer standesgemäß in der Businessklasse. "Du musst dich nicht bedanken", sagte die Mutter. "Die Frau wird dafür bezahlt."
Als ich diese kurze Notiz irgendwo las, war ich zunächst sprachlos, doch dann überkam mich eine heftige Wut auf diese Mutter. Was ist denn das für eine Einstellung zu Dienstleistungen, ja zu Menschen überhaupt? Ist es denn keine Selbstverständlichkeit mehr, sich bei Menschen zu bedanken, die etwas für andere leisten. Ich weiß nicht ob ich damit Recht habe, aber ich höre daraus die Ansicht, mit Geld alles kaufen zu können – und der Preis spielt dabei überhaupt keine Rolle. Ich höre daraus eine maßlose Arroganz.
Wie kommt die Frau aus dem Flugzeug zu einer solchen Haltung? Vielleicht ist sie ja mit dem buchstäblichen goldenen Löffel im Mund geboren. Aber selbst dann müsste sie doch eigentlich irgendwann erfahren haben, dass ein "Danke" mehr wert sein kann als alles Geld der Welt. Was mag die gleiche Frau wohl zu der Hebamme oder dem Arzt gesagt haben, als sie von einem gesunden Mädchen entbunden wurde? "Sehr schön, gut gemacht – aber schließlich ist das ja auch ihr Job!" Ob sie nie erfahren hat, dass ihr jemand etwas Gutes getan hat, einfach so, völlig selbstverständlich, im Alltag, ohne Bezahlung? Und wie fühlt es sich für die Dame an, wenn sie jemandem etwas "schuldig bleiben" muss?
Wie sich das anfühlt, wissen wohl die meisten. Es stellt sich ein Gefühl der Verlegenheit ein. Ich überlege mir in einer solchen Situation, wie das Erhaltene irgendwie ausgeglichen werden kann. So weit ich das bei meinen Enkeln erlebe, ist das bei Kindern freilich ganz anders. Ein Kind nimmt ein Geschenk in Freude an, ohne darüber nachzudenken, ob es dafür eine Gegenleistung erbringen muss. Es lebt die reine Freude und Dankbarkeit, ohne Hintergedanken. Das Neue Testament enthält genau dazu zwei kurze Gedanken: Der erste lautet: (Lk 18,17) Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen – es geht darum, ehrlich wie die Kinder etwas als Geschenk anzunehmen. Der zweite Text geht nur ein kleines bisschen in eine andere Richtung: Jesus sagt bei einem Mahl zu seinem Gastgeber: (Lk 14,13) "Wenn du ein Essen gibst, lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich wieder ein und dir ist es vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie haben nichts, um es dir zu vergelten." Diese Armen haben nun einmal nichts als ein "Danke", echt und aufrichtig wie ein Kind.
Ich hoffe, dass das kleine Mädchen aus dem Flugzeug dieses „Danke“ noch oft sagt – und auch gesagt bekommt.

 

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