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Hl. Bartholomäus
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Hl. Bartholomäus

Prof. Dr. Markus Tomberg
Ein Beitrag von Prof. Dr. Markus Tomberg, Professor für Religionspädagogik, Fulda und Marburg
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Eigentlich ist er ein großer Unbekannter. Und doch hat er Karriere gemacht. Die christlichen Kirchen erinnern sich heute an Bartholomäus. Der gehört nach der Botschaft der Evangelien zu den zwölf Aposteln, den wichtigsten Jüngern Jesu. Seinem Gedächtnis kommt deshalb große Bedeutung zu. Und das, obwohl über ihn außer seinem Namen schlicht nichts gesichert bekannt ist. Selbst die Bibel schweigt über seine Taten. Bartholomäus (sein Name bedeutet: Sohn des Tholmai), er ist einfach nur da.

Bei manchen weckt das die Fantasie. Legenden erzählen, dass Bartholomäus in Persien und Indien das Evangelium gepredigt habe. Auch in Ägypten und Armenien sei er gewesen. Dort, in Armenien, sei er schließlich hingerichtet worden. Gesichert ist davon nichts. Unrühmliche Karriere machte sein Name in der Bartholomäus-Nacht. In der Nacht des 24. August 1572 wurden in Paris mehrere tausend Menschen wegen ihres Glaubens getötet. Im Unterschied zu den frommen Legenden über den Apostel ist das leider eine historische Tatsache.

Der Apostel Bartholomäus selbst: er ist ja einfach nur da, tatenlos, ein Name in einer Liste, mehr nicht. Doch einer, dem als Apostel eben größte Bedeutung zukommt: Er gehört zu jenem Kreis, mit dem Jesus symbolisch seinen Anspruch darstellte, der Messias zu sein. Bis heute genießen die Mitglieder dieses Kreises in den christlichen Kirchen deshalb höchstes Ansehen.

Und das, im Fall von Bartholomäus, ohne jeden eigenen Verdienst. Ohne jede Auszeichnung, jede Heldentat, ohne ein einziges überliefertes Wort. Ganz im Gegenteil: Er bleibt eine Projektionsfläche frommer Fantasien, dass Menschen, die sich christlich nannten, dabei den Anspruch Jesu immer wieder vernachlässigt und verraten haben: die Grauentaten der Bartholomäusnacht erinnern auch daran. Und obwohl Bartholomäus nichts dafür kann – sein Name muss herhalten.

Dabei verbindet sich mit Bartholomäus doch vor allem eine Botschaft: Dass es keiner Auszeichnung bedarf, kein besonderes Merkmal braucht, um gerufen, gewollt, geliebt, um bedeutsam zu sein. Eine Gedächtnisspur zu hinterlassen. Und das bis heute.

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