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Das wird schon wieder
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Das wird schon wieder

Stephan Krebs
Ein Beitrag von Stephan Krebs, Pfarrer, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Darmstadt
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„Das wird schon wieder!“ Diesen Satz hören viele, die krank sind. Oder einen Rückschlag erlitten haben. Oder sich zerstritten haben. Wenn sie davon erzählen, hören sie oft: „Das wird schon wieder!“ Dieser Satz ist als Aufmunterung gedacht. Was damit genau gemeint ist, bleibt offen: Soll die Lage wieder so werden, wie es vorher war? Oder besser? Oder einfach nur anders? Dazu sagt diese kleine Aufmunterung nichts. Sie spricht einfach nur ein vages Versprechen aus: „Das wird schon wieder“!

"Wenn ich falle, stehe ich auf und gehe weiter"

Dennoch aktiviert der Satz die Hoffnung, die beide Gesprächspartner in sich haben. Das kann eine Art Ur-Optimismus sein. Es kann auch die Zuversicht sein, die aus dem Glauben kommt. Diese Zuversicht vertraut auf Gott: Leben ist gewollt, geliebt und soll eine Zukunft haben. Als Christ denke ich: „Gott hat mit mir und all den anderen etwas vor. Er schickt mich auf einen Weg. Auf diesem Weg kann ich Fehler machen, ich kann Niederlagen erleben. Aber der Weg ist nie zu Ende, er geht immer weiter, bis ich wieder ganz bei Gott bin.“ Deshalb: Wenn ich falle, stehe ich auf und gehe weiter.

Hoffnung und Zuversicht werden dringend gebraucht

„Wird schon wieder“ - das verströmt Hoffnung und Zuversicht. Beides wird dringend gebraucht. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie. Der Eindruck „Alles wird schlechter, komplizierter, gefährlicher“ ist nicht neu. Solch ein Lebensgefühl schürt Angst. Manche an den politischen Rändern machen sich das zunutze und schüren deshalb fleißig mit.

Die Medien stellen die Probleme in den Mittelpunkt

Auch die Medien tun das auf ihre Weise – allerdings ohne es zu wollen. Das liegt an ihren journalistischen Regeln. Berichtet wird über das, was Probleme bereitet. Sind die Probleme gelöst, wird darüber nicht weiter berichtet, sondern über neue Probleme. Kurz gesagt: Berichtet wird vom Krieg, nicht vom Frieden. Das ist verdienstvoll, denn so prangern die Medien Missstände an – das ist eine unverzichtbare Aufgabe in einer Demokratie.

Gute Gründe für Optimismus

Aber diese journalistischen Regeln haben eine unerwünschte Nebenwirkung: Sie zeichnen damit das Bild einer Welt, die immer schlechter wird. So spüren viele nicht, dass sich die Welt in vielen Bereichen zum Guten entwickelt. Nur vier Beispiele:

Die Kindersterblichkeit hat sich in den letzten 30 Jahren weltweit halbiert.

Obwohl sich die Zahl der Naturkatstrophen erhöht hat, ist die Zahl ihrer Todesopfer auf die Hälfte gesunken. Dank besserer Vorsorge.

Es gibt inzwischen deutlich weniger Analphabeten

In Deutschland gibt es auch weniger Straftaten

"Wie kann es weitergehen?"

Die Liste guter Nachrichten ließe sich fortführen. Es gibt also gute Gründe für Optimismus. Viele Journalisten suchen Lösungen. Eine von ihnen ist Maren Urner. Sie hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: „Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“. Darin macht sie einen, wie ich finde, sehr guten Vorschlag. Sie sagt: „Bislang orientieren sich die Nachrichten immer an den sechs großen journalistischen W´s: Was, wann, wo, wie, warum und welche Quelle? Maren Urner plädiert dafür, ein siebtes W zu ergänzen. Nämlich die Frage: „Wie kann es weitergehen?“

Ich finde diesen Vorschlag großartig, weil er den Blick nach vorne lenkt und auf die Auswege schaut. Das siebte W trägt Zuversicht in das Leben ein. Es geht weiter. Gottes Weg mit mir, mit dir, mit der Welt ist nicht zu Ende.

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