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Heruntergekommen

Heruntergekommen

Alexandra Becker
Ein Beitrag von

Alexandra Becker,

Katholische Pastoralreferentin, Pfarrei St. Franziskus, Frankfurt
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Heruntergekommen. Das werde ich an Weihnachten feiern: Gott ist vor 2000 Jahren heruntergekommen vom Himmel in die Welt. Heruntergekommen ist er in einen einfachen Stall. In eine Welt, in der es auch heruntergekommen und finster zugeht. Da überlegt sich Gott, einer von uns zu werden – ein Mensch. Und was sucht er sich dafür aus? Ein besetztes Land. Eine arme, junge Frau, die keiner kennt und die auch noch mit einem anderen verlobt ist. Eine Stadt, die die jungen, werdenden Eltern nicht aufnehmen will, eine Geburt in einer Notunterkunft.

Gott hätte es doch anders haben können. Eine Geburt in einem schicken Haus, in eine intakte Familie. Eine Familie, die finanziell abgesichert ist und die dem kleinen Gotteskind etwas bieten kann. Aber so war es nicht. Denen, die im Finstern sind, strahlt ein helles Licht auf. So steht es schon im Alten Testament. Gott kommt herunter in das, was dunkel ist und dreckig und arm. Für mich zeigt das wahre Größe. Und es zeigt mir einen Gott, der das Dunkle, Dreckige und Arme kennt. Einen, der versteht, wenn es mir dreckig geht, wenn es in mir dunkel ist. Einen, der auch zu mir herunterkommen möchte, um mir sein Licht zu schenken.

Ich persönlich freue mich seit Oktober auf Weihnachten. Auf den Duft von Zimt und gebrannten Mandeln, aufs Wiedersehen an den Feiertagen und auf die Weihnachtsklassiker im Radio. Und ich koste diese Zeit wirklich aus. Aber ich weiß eben auch: Das erste Weihnachten damals war anders. Gott hat sich einen dunklen, ungemütlichen Ort gewählt, um in die Welt herunter zu kommen. Und das nicht ohne Grund. Ich bin dankbar dafür, dass ich in einem freien Land leben darf. Dass ich an Weihnachten ein Dach über dem Kopf habe und mehr als genug zu essen.

Weihnachten bedeutet für mich aber auch: Augen und Herzen zu öffnen für die, die mich brauchen. Für Menschen, für die ich vielleicht ein Licht sein kann. Und ich bin dankbar, dass Gott heruntergekommen ist. Auch in mein Leben. Und das will ich feiern.

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