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Fronleichnam – der Himmel unterwegs
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Fronleichnam – der Himmel unterwegs

Eva Reuter
Ein Beitrag von Eva Reuter, Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz
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Morgen ist Fronleichnam. Als Kind dachte ich immer, der Name des Festes hätte etwas mit „froh“ im Sinne von „fröhlich“ zu tun – und habe mich gefragt, warum denn eine Leiche fröhlich sein soll und was es daran zu feiern gibt.

Als ich älter wurde, habe ich gelernt: Fronleichnam bedeutet so viel wie „Leib des Herrn“ und leitet sich aus den mittelhochdeutschen Wörtern „vron“ für „Herr“, „Herrschaft“ und „lichnam“ für „Leib“ ab. In vielen anderen Ländern hat sich der lateinische Name „Corpus Christi“ für den Feiertag morgen durchgesetzt.

Die Wandlung von Brot und Wein

So wie der Name nicht ganz einfach zu übersetzen ist, ist auch der Inhalt des Festes nicht ohne Weiteres zu verstehen. Man muss dazu wissen: Im katholischen Glauben spielt die Eucharistie – also die Wandlung von Brot und Wein – eine zentrale Rolle. Katholische Christen glauben, dass Jesus Christus in Brot und Wein wirklich da ist.

Seit dem Mittelalter gibt es das Fest, bei dem dieser Glauben gefeiert wird. Es wird mit einer feierlichen Messe und einer Prozession begangen, bei der das heilige Brot aus dem Gottesdienst in Form einer Oblate (Hostie genannt) durch die Straßen getragen wird. Die Hostie wird in einem kostbaren goldenen Gefäß transportiert, und der Priester geht unter einem Baldachin, der „Himmel“ genannt wird. An verschiedenen Stellen im Ort oder auf den Feldern sind kleine Altäre aufgebaut, an denen die Prozession Halt macht. Oft sind dort auch kunstvolle Blumenteppiche auf den Boden gelegt.

Der Himmel ist unterwegs

Diese altertümlichen Traditionen, mit denen heute nicht mehr viele Menschen etwas anfangen können, haben einen tieferen Sinn, der mir auch heute wichtig ist: Gott will den Menschen nahe sein. Ich glaube: Gott ist Mensch geworden, weil er sich den Menschen zu erkennen geben wollte. Und das Abendmahl hat er als Erinnerungshandlung definiert, weil es etwas ist, was allen Menschen Freude macht: Zusammensein und gemeinsam Brot und Wein teilen.

An Fronleichnam soll dieser Glaube nun aus der Kirche hinaus in den Ort und in die Umgebung getragen werden. Der Himmel ist unterwegs – nicht nur der Baldachin für den Priester, sondern im übertragenen Sinn der Himmel von Gottes Gegenwart.

Die ganze Schönheit der Schöpfung

Für mich zeigt das: Gott hat keine Angst davor, raus zu den Menschen zu gehen. Er will sogar ausdrücklich ganz nah bei den Menschen sein. Gott hat auch keine Angst davor, sich lächerlich zu machen – für ihn ist jede Form richtig, die den Menschen einen Hinweis auf seine Liebe gibt.

So ist auch das alte Fest mit seinen altertümlichen Traditionen für mich wertvoll und hat einen aktuellen Bezug. Und es hat auch immer was mit der Freude am Leben und an Gottes Schöpfung zu tun. Denn immer finden die Prozessionen – und oft auch die Gottesdienste – draußen in der Natur statt. Dort blüht und wächst gerade alles und zeigt die ganze Schönheit der Schöpfung. Das lässt mich meine Lebendigkeit spüren und Gottes Liebe zu mir. Diese Liebe geht sogar über den Tod hinaus – und so passt mein kindliches Missverständnis doch irgendwie: Ich kann froh sein – auch als Leichnam.

 

 

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