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Karsamstag
Bild: medio.tv/Schauderna

Karsamstag

Andrea Wöllenstein
Ein Beitrag von Andrea Wöllenstein, Pfarrerin im Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marburg
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Heute ist Samstag. Kar-samstag. "Kara" ist mittelhochdeutsch und heißt "Klage, Kummer, Trauer". In den Kirchen erinnern wir an Jesu, der gekreuzigt und begraben wurde. An seine Grabesruhe. Heute schweigen die Glocken. Die Altäre sind nicht geschmückt, keine Blumen, keine Kerzen. Früher war das ein sehr ruhiger Tag. Man nannte ihn auch "Stiller Samstag". Es gab keine Feste, keine Tanzvergnügen. Die Kinos und Restaurants hatten geschlossen. Das alles hat sich geändert. Außerhalb der Kirche hat der Tag kaum noch Bedeutung.

Für viele ist heute Ostersamstag nicht Karsamstag

Für die meisten ist es der Ostersamstag. Und der ist alles andere als ruhig. Es sind Ferien. Wir freuen uns auf Ostern. Vielleicht hat sich Besuch angesagt. Ich muss einkaufen, Ostereier färben, Kuchen backen, putzen und kochen…das alles macht sich nicht von allein. Und trotzdem will ich mir heute auch Zeit nehmen für Ruhe und Stille. Gerade in diesem Jahr. An diesem Karsamstag.

Massengräber in der Ukraine - kein Ort zum Trauern

Ich denke an Jesus. Und ich denke an die Menschen, die in den letzten Wochen in der Ukraine getötet worden sind. Männer, Frauen, Kinder, Zivilisten und Soldaten. (aktuelle Zahl?) Viele liegen in Massengräbern. Es gibt keinen Ort, an dem später ihre Lieben um sie trauern können. Ich möchte für sie beten. Ihnen Frieden wünschen. Frieden für ihr Land und Frieden für ihre Seelen.

Die Jüngerinnen und Jünger begraben Jesus

Die Jüngerinnen und Jünger, so erzählt die Bibel, nehmen Jesus vom Kreuz und begraben ihn. Sie sind unter Schock, in tiefster Trauer. Dass man ihn umbringen würde! Damit hatte keiner von ihnen gerechnet! Alle Pläne, alle Hoffnungen auf ein Leben in Freiheit - sie haben sich in Luft aufgelöst. Sie legen den Toten in eine Höhle. In ein Felsengrab, das sie mit einem großen Stein verschließen. "Es ist aus, vorbei", denken sie.

In vielen anderen Sprachen heißt der Tag heute: Heiliger Samstag

In vielen anderen Sprachen heißt der Tag heute: Heiliger Samstag. Holy Saturday. Sabato Santo. Samedi Saint. Heilig, weil etwas Besonderes, etwas Heiliges geschehen ist. Er war nicht das Ende, sondern ein Übergang. Eine Zeit der Verwandlung. Auf Karsamstag folgt der Ostersonntag. Auferstehung, neues Leben aus dem Tod. Auch damit hatte keiner gerechnet. Obwohl Jesus es angekündigt hatte. Zum Beispiel mit dem Bild vom Weizenkorn. Es fällt in die Erde. Es stirbt. Eine neue Pflanze keimt auf. Sie wächst und bringt vielfältige Frucht.

Karsamstag ist ein Tag der Trauer  – und doch nicht ohne Hoffnung

Karsamstag ist ein Tag der Trauer – und doch nicht ohne Hoffnung. Ja, es gibt die Zeit der Klage. Es gibt den Schmerz, das Leiden, das kaum auszuhalten ist. Den Krieg, die Tyrannen, die so allmächtig scheinen … Aber sie haben nicht das letzte Wort! Ostern ist wie ein Protest: Das Leben ist stärker als der Tod.

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