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Ausgeknockt
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Ausgeknockt

Simone Twents
Ein Beitrag von Simone Twents, Dezernetin für Glaubenskommunikation und Pastorale Innovation, Fulda
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In einer meiner erfolgreichsten beruflichen Phasen wurde ich auf einmal krank - ausgeknockt. Ich, seit Jahren im Modus "Powerfrau", konnte von jetzt auf gleich kaum noch bis zum Bäcker gehen. Mein Alltag wurde zur Herausforderung. Ich war ein halbes Jahr lang arbeitsunfähig zu Hause.

Und für mich stellte sich die drängende Frage: "Wer bin ich, wenn ich nicht leiste?" Zuerst war ich auf dem Trip, möglichst schnell und effektiv meine Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen, um dann wieder „ins richtige Leben“ zurückzukehren. Aber mein Körper setzte mir Grenzen. Er wollte einfach nicht nach meinen Regeln spielen.

Einfach da sein genügt

Nach einer Weile inneren Kampfes kehrte eine vorläufige innere Ruhe ein. Mein Glaube hat mir da entscheidend geholfen: Gott genügte es offensichtlich, dass ich einfach da war. Ich kam zu dem täglichen Mantra: "Heute ist ein vollgültiger Tag meines Lebens." Also nicht mehr ein Tag des Wartens und des Kämpfens um die eigene Arbeitsfähigkeit, sondern einfach da zu sein, zu atmen, zu leben, dafür dankbar zu sein.

Doch ein inneres Nagen blieb in dieser Zeit mein Begleiter. Ich hatte den Eindruck: Gott konfrontierte mich mit mir selbst. Durch meinen inneren Kampf mit dem Nicht-Leisten merkte ich etwas: Das, was ich meinte, für Gott und die Welt zu tun, hatte viel mehr mir selbst zu tun. Nämlich mit dem Bedienen meines Selbstbilds. Und das war durch meine Arbeitsunfähigkeit infrage gestellt. Ich lernte, Dinge an mir wahrzunehmen, die ich vorher vielleicht lieber gar nicht sooo genau wissen wollte.

Mit Gott durch die schwierige Zeit

Aber ich lernte auch eine Menge über Gottes Liebe für mich, diese unverrückbare, die ich nicht verlieren kann, weil sie zutiefst mich meint, weil sie schon all meine Untiefen kennt und ich ihn daher mit nichts von mir wegtreiben kann.

An meinem tiefsten Nullpunkt, als ich mich nicht mehr auf Gott ausrichten konnte und kaum mehr Kraft hatte zu beten, war ER da. Hat mich festgehalten, hat sein JA über mich und mein Leben gesprochen. Das hat mein Vertrauen tiefer gemacht. Dass ich gemeinsam mit Gott durch diese schwierige Zeit durchgegangen bin, ohne etwas zu überspringen oder wegzudrücken - das hat mich stärker gemacht. Ich wurde mit mir selbst konfrontiert und bin darin nicht untergegangen - weil ich gehalten wurde.

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