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Größe anerkennen
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Größe anerkennen

Andrea Seeger
Ein Beitrag von Andrea Seeger, Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Heute ist Johannistag. Es ist der Geburtstag von Johannes, dem Täufer. Zurzeit Jesu ist er als Prophet aufgetreten. Er hat die Menschen am Jordan durch große, kritische Reden beeindruckt. Er schmierte ihnen keinen Honig um den Mund, er redete Klartext.

Johannes der Täufer predigte soziale Gerechtigkeit

Seine Botschaft war keine leichte Kost für die Leute, die in Scharen zu dem ungewöhnlichen Prediger an den Fluss zogen. „Ihr Schlangenbrut!“ schrie er sie an und predigte ihnen soziale Gerechtigkeit: „Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso“ (Lukas 3,7.11).

Johannes erkannte in Jesus den Messias

Er war selbstbewusst, strahlt natürliche Autorität aus. Genau deswegen kannte er auch seine Grenzen. Er hatte kein Problem damit, die Größe anderer anzuerkennen. Er konnte hinter seinem Zeitgenossen Jesus zurücktreten, auf ihn deuten und sagen: „Er ist es!“ (vgl. Lk 3,30-34). Damit meinte er: Er ist der Messias, auf den ihr gewartet habt. Von Johannes stammt der Satz: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“

Anderen den Vortritt lassen und zurückstecken

Wow – was für eine Aussage! Da fallen mir Beispiele aus dem familiären Bereich ein, von Eltern, die zurückstecken, wenn es um das Wohl ihrer Kinder geht.

Gilt das auch im Arbeitsalltag? Im Großen wohl eher nicht. Wer sagt denn schon: Der andere hat die höher dotierte Stelle mehr verdient, er soll wachsen, wichtiger und mächtiger werden, ich nehme die kleinere, weniger bedeutende Stelle. Aber das ist vielleicht auch zu hoch gegriffen.

Die Talente eines anderen anerkennen

Im Kleineren könnte das schon eher funktionieren. Menschen haben unterschiedliche Talente. Wie wäre es, einem anderen öfter mal zu sagen: Diesen Raum lasse ich Dir, das kannst Du besser. Dazu braucht es Selbstbewusstsein. Und Größe. Die Größe, sich daran zu freuen, dass der andere zum Zuge kommt, ihn wachsen zu sehen. Ein Freund sagte vor kurzem: Wir haben genug, lass uns doch mal an die denken, deren Finanzpolster wachsen müsste, damit sie menschenwürdig leben können. Wir können auch mit weniger auskommen. Ein gutes Motto in dieser Zeit: Sie müssen wachsen, wir aber können kleiner werden.

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