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Besser helfen als nur zuschauen
picture alliance/dpa/Michael Kappeler

Besser helfen als nur zuschauen

Dr. Matthias Viertel
Ein Beitrag von Dr. Matthias Viertel, Evangelischer Pfarrer, Kassel
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Moderation: Man kennt es von schweren Unfällen oder Katastrophen: Da kommen Menschen herbei und wollen zugucken. Oft behindern sie dann noch die Helfenden. Zum Glück ist so ein Verhalten schon lange verpönt und zum Teil sogar strafbar. Zuschauen ohne zu helfen – das geht gar nicht, sagt Pfarrer Matthias Viertel im hr1 Zuspruch. Der Anlass für seine Gedanken ist die Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz nach Südafrika am 24. Mai 2022 mit Gesprächen über den Krieg in der Ukraine. 

Bundeskanzler Scholz in Südafrika 

Es war bei der Reise, die Olaf Scholz in dieser Woche nach Afrika führte. Er wollte für Maßnahmen gegen Russland werben, um den Menschen in der Ukraine zu helfen. Aber der Präsident Südafrikas sah das anders: Er kritisierte die europäische Haltung und sagte: "Länder, die Zuschauer oder gar nicht Teil des Konflikts sind, werden unter den Sanktionen leiden, die gegen Russland verhängt wurden". 

Sich lieber raushalten

Nur zuschauen, sich lieber aus allem raushalten – das will nicht nur der Präsident in Südafrika. Auch bei uns gibt es diese Haltung. Die einen befürchten eine Zuspitzung des Kriegs, andere Nachteile für sich selbst. Das ist irgendwie verständlich. Aber nur zuschauen geht trotzdem nicht.

Da fällt einer unter die Räuber. Wer hilft?

Schon in der Bibel wird in der Geschichte vom barmherzigen Samariter das genau durchbuchstabiert. Da wird ein Mensch angegriffen, ausgeraubt, verletzt und halbtot liegen gelassen. Mehrere Menschen kommen dazu, aber alle gehen vorbei. Sie sagen sich, damit habe ich nichts zu tun, da halte ich mich lieber raus, sonst eskaliert das Ganze noch. Erst einer, von dem man es gar nicht erwartet hatte, hilft. Es ist ein Mann aus Samarien, aus einer anderen Kultur mit einem anderen Glauben.

Nicht allen helfen, sondern tun, was man kann

Auch diese Hilfe des Samariters ist begrenzt. Er sorgt für eine Zuflucht und die erste Versorgung, viel mehr schafft er nicht. Ich kann nicht immer und überall helfen, das überfordert meine Kräfte. Aber mit dem wenigen, was dieser Fremde tut, wird er im biblischen Gleichnis zum Vorbild für Menschlichkeit und Barmherzigkeit. Wo meine Möglichkeiten an Grenzen stoßen, kann ich wenigstens mitfühlen und die unterstützen, die weitere Hilfe leisten können. Aber einfach zugucken, das geht eben nicht.

Zitate Kanzlerreise Südafrika: www.berliner-zeitung.de/news/bundeskanzler-olaf-scholz-in-suedafrika-keine-einigkeit-bei-ukraine-krieg-li.229866

Geschichte vom barmherzigen Samariater: Lukasevangelium im Neuen Testament der Bibel, Kapitel 10, Verse 33 ff. 

Foto: Bundeskanzler Olaf Scholz und Matamela Cyril Ramaphosa, Präsident von Südafrika am 24.5.2022 (dpa/Michael Kappeler)

 

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