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Segen ist wie angesehen sein
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Segen ist wie angesehen sein

Anne-Katrin Helms
Ein Beitrag von

Anne-Katrin Helms,

Evangelische Pfarrerin, Erlösergemeinde Frankfurt-Oberrad
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Vor einem Jahr ist mein Vater gestorben. Unsere Eltern sind nun beide tot. Mein Bruder und ich sind sozusagen übriggeblieben. Unter anderem deshalb habe ich jetzt meinen Bruder besucht. Ich wollte am Jahrestag des Todes unseres Vaters gerne mit ihm zusammen sein.

Segen kann das Herz berühren

Mein Bruder und ich waren auch zusammen im Sonntagsgottesdienst. Als die Pfarrerin den Segen sprach, hatte ich auf einmal Tränen in den Augen. Ich hatte das Gefühl, sie sieht mich persönlich beim Segen an. Damit hat sie mein Herz berührt. Es war, als würde mir gesagt: „Alles ist gut. Alles wird gut. Vertrau nur!“

Das klang für mich aus den alten Segensworten der Bibel, die die Pfarrerin gesprochen hat: „Gott segne dich und behüte dich; Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; Gott hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“  (4. Mose 6,24-26)

Wie ich bin, sehe ich nicht im Spiegel, sondern im Gesicht meines Gegenübers

Ich habe gemerkt: Es ist wichtig für mich, dass mich jemand anschaut. Es tut mir gut. Ein Spiegel kann mir zeigen, wie ich aussehe. Aber wie ich bin, das muss ich in dem Gesicht eines anderen ablesen, der mich liebevoll anschaut. Ich sehe in ihrem oder seinem Gesicht, dass er es gut mit mir meint, und vielleicht sogar, dass es gut mit mir steht. Gesehen werden und angesehen sein, ist ein tiefes menschliches Bedürfnis.

Das brauche ich, wenn ich mich mit jemandem gestritten habe und wieder versöhnen möchte. Das geht nicht, ohne einander anzuschauen. Ich sage: „Es tut mir leid. Entschuldige bitte!“, reiche ihm die Hand und schaue ihm in die Augen. So kann ich sehen, ob er mir wirklich vergibt. Wendet er sich ab und schafft es nicht, mir unverwandt ins Gesicht zu schauen, dann weiß ich, es ist noch nicht so weit.

Vielleicht hat mich deshalb am ersten Todestag meines Vaters der Segen am Ende des Gottesdienstes so berührt. Nicht nur die Pfarrerin hat mich angeschaut. Durch ihre Segensworte aus der Bibel war es, als ob Gott mich anschaut. „Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir.“

Segen gibt Kraft

Die Worte lassen Gottes Angesicht über mir aufgehen wie die Sonne. Das hat mich hell und froh gemacht. Der Zuspruch, dass Gott mich anschaut und mir Frieden gibt, gibt mir Kraft. Das hilft mir, mit der Trauer über meine verstorbenen Eltern zurechtzukommen und mit all dem, was ich nicht mit ihnen klären konnte, was offen bleibt. Im Gottesdienst am Todestag meines Vaters haben mich die alten Segensworte der Bibel getröstet: „Gott segne dich und behüte dich; Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; Gott hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“

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