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Nomadentum

Nomadentum

Dr. Barbara Brüning
Ein Beitrag von

Dr. Barbara Brüning,

Katholische Journalistin, Autorin und Systemische Familienberaterin, Frankfurt
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Meine Tochter ist gerade mit einer Gruppe von Freunden in einem Wohnmobil und Zelt in Chile unterwegs. Jeden Tag übernachten sie woanders. Mich erinnert das daran, wie ich als Teenager mit dem Zelt in Schweden unterwegs war. Jeden Morgen wurde alles in den Rucksack und auf die Fahrräder gepackt – und weiter ging‘s. Am Anfang war es noch befremdlich, aber nach dem zweiten Tag lag da ein solches Gefühl von Unabhängigkeit darin, nur so viel zu brauchen, wie man tragen und transportieren kann. Ungebundenheit und Neugier auf das, was hinter der nächsten Kurve kommen würde.

Damals hatte ich das Gefühl, dass diese Art von Nomadentum so manches im Leben zurecht rückt: Was wichtig und unwichtig ist zum Beispiel. Vor allem aber habe ich ein Gespür für das bekommen, was konstant bleibt, auch wenn sich die äußere Umgebung jeden Tag verändert. Die Beziehungen zum Beispiel. Schon nach ein oder zwei Tagen waren in unserer kleinen Gruppe klar, wie wichtig das ist, was jemand ausstrahlt: Geduld, Gelassenheit oder Lebensfreude zum Beispiel.

Für mich war es aber auch so, dass  ich mehr bei mir selbst war. Ich konnte mich nicht durch immer neues Tun ständig ablenken. Ich habe das jedenfalls so erlebt: egal ob ich wandere oder fahre, die Landschaft zieht vorbei – während ich ihr stets mit dem gleichen Selbst begegne. Meine Mitreisenden – wir waren ja immer nur eine kleine Gruppe von Freunden - waren auf einmal so vertraut, dass ich mich nicht mehr beurteilt und beobachtet gefühlt habe. Immer gleich geblieben ist auch meine innere Stimme – ich, die Beobachterin.

Ich glaube, darin liegt auch ein Sinn des Reisens: Zu erleben, dass wir hier keine bleibende Stadt haben, wie es im Hebräerbrief heißt, dass wir immer unterwegs sind. Aber ich habe gelernt, mich im ständigen Wechsel zuhause zu fühlen und zu spüren, dass dabei das Wesentliche konstant bleibt: Ich bin als Mensch derselbe. Und für mich ist auch eine Konstante: Mein Gott – das Gegenüber meiner inneren Stimme - ist immer derselbe. Er ist immer da und an meiner Seite, egal, wo ich unterwegs bin, und er ist mir dabei so nah wie mein eigener Atem.

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