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Gnade
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Gnade

Elisabeth Krause-Vilmar
Ein Beitrag von

Elisabeth Krause-Vilmar,

Evangelische Pfarrerin, Bad Vilbel
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Vor kurzem brachte mir eine ältere Frau Blumen vorbei. Einfach so.
Weder hatte ich Geburtstag, noch gab es sonst irgendeinen Grund, warum ich an diesem Tag Blumen bekommen sollte.
Ich bedankte mich höflich und fragte: „Wie habe ich denn das verdient?“
Die Frau antwortete: „Man muss sich doch nicht alles verdienen.“
Die Worte haben mich nicht losgelassen.
Man muss sich doch nicht alles verdienen.
Wie recht die Frau doch hat.

Martin Luther hat das genauso gesehen.
Das Wichtigste in unserem Leben können wir uns nicht verdienen, sondern wir bekommen es geschenkt.
Die lieben Menschen an unserer Seite. Die guten Beziehungen. Glück.
Martin Luther nannte dies Gnade. Unverdiente Gnade.

Ich habe die Blumen aus Gnade bekommen. Ich habe sie mir nicht durch Arbeit oder Freundlichkeit verdient.
Manchmal ist es gar nicht so leicht, das anzunehmen. Bei solchen Geschenken aus Gnade höre ich mich immer schon sagen: „Das wäre doch nicht nötig gewesen.“
Die Gnade ist aber nötig.
Aus uns selbst heraus machen wir nicht alles richtig. Nie und nimmer. Wir brauchen Menschen auf unserm Weg, die uns ansehen und lieben, so wie wir sind. Und die uns einfach so kleine Geschenke machen. Wie die Blumen.

Ich frage mich: Kann ich nicht auch öfter gnädig sein? Manchmal fällt es schwer, diese Haltung einzunehmen und es gelingt nicht immer. Die ältere Dame mit den Blumen und so viele andere Menschen zeigen, dass es geht. Manchmal. Oft.

Für mich kann das eine Haltung sein, die auf Gottes gnädigen Blick vertraut.
Gott schaut gnädig auf uns. Gnädig werden wir angeschaut. Gnädig können wir um uns umblicken und handeln.

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