Und wenn die Welt voll Teufel wär ...
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Und wenn die Welt voll Teufel wär ...

Ein Beitrag von

Helwig Wegner-Nord,

Evangelischer Pfarrer, Frankfurt

Martin Luther ist ja nicht nur berühmt geworden, weil er die Bibel ins Deutsche übersetzt hat. Er war auch ein fleißiger Texter von Liedern und er hat es mit dem einen oder anderen Titel bis in die Charts seiner Zeit geschafft. Sein berühmtester Liedtext beginnt mit den Worten „Ein feste Burg ist unser Gott!“ Das wurde ein echter Hit, der sich bei den Evangelischen über Jahrhunderte gehalten hat. Bekannt geworden sind die trotzigen Zeilen „Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen, so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.“

Manche sahen und sehen in dem Choral so eine Art Kampflied – vielleicht war es auch für Luther selbst so etwas. Es sollte Mut machen, wenn eine Pestepidemie die Menschen in Angst und Schrecken versetzte. Oder wenn die Evangelischen sich wieder neu von Kaiser und Papst bedrängt fühlten – „Ein feste Burg ist unser Gott!“, das kann einem schon den Rücken stärken und davor bewahren zu verzweifeln.

„Ein feste Burg ist unser Gott!“ – das wurde aber auch im Dreißigjährigen Krieg von den Landsknechten angestimmt. Und schließlich stand es vor hundert Jahren auch auf den deutschen Feldpostkarten, die im 1. Weltkrieg verschickt wurden. Luthers Lied bekam einen militanten und nationalistischen Klang.

Als Luther es gedichtet hat, hat er sich von einem biblischen Psalm inspirieren lassen. In dem heißt es: „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken…“ (Psalm 46) Ein Weltuntergangsszenario. Berge kippen um. Das Meer wütet.

In dem Psalm ist übrigens von Gott als fester Burg gar nicht die Rede. Aber Luther hat in seinem Lied genau mit diesem Wort ‚Burg‘ beschrieben, wonach sich die Menschen zu allen Zeiten gesehnt haben: eine Burg ist dazu da, zu bergen. Auf einer Burg finde ich Zuflucht. Und Ruhe. Und Schutz. „Ein feste Burg ist unser Gott“ – das ist kein Lied, mit dem man in den Krieg ziehen soll. Sondern mit dem man Frieden finden kann. Dass man sich im größten Chaos bei Gott bergen kann – wie auf einer festen Burg – das Versprechen gilt auch heute.

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