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Lebendige Krippe

Lebendige Krippe

Alexandra Becker
Ein Beitrag von

Alexandra Becker,

Katholische Pastoralreferentin, Pfarrei St. Franziskus, Frankfurt
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Franz von Assisi hat im Jahr 1223 zum ersten Mal eine Krippe aufgestellt, die Idee geht auf ihn zurück. Es war keine kleine Krippe, die unter einen Baum passen könnte: Echte Menschen und echte Tiere kamen da zum Einsatz in einer kleinen Felsengrotte in der Nähe von Assisi. Dieses Schauspiel muss so faszinierend gewesen sein, dass es sich durchgesetzt hat, bis heute. Wenn auch in kleinerem Format. Zu meinen frühesten Erinnerungen an Weihnachten gehören die Krippenfiguren, die bei uns aufgestellt waren. Sie haben mich damals beeindruckt – und sie tun es bis heute. An Krippen kann ich nicht vorbeigehen, ohne sie genau anzuschauen. Franz von Assisi hatte also einen genialen Einfall mit seiner lebendigen Krippe. Von der Freude über das Neugeborene kann ich hören oder lesen. Aber eine Mutter zu sehen, die ein Neugeborenes in den Armen wiegt, das lässt mich nochmal anders staunen und begreifen.

Bilder lösen oft mehr aus als Worte. Eine Freundin hat mir vor einiger Zeit ein Bild von einer brennenden Kerze geschickt, als es mir schlecht ging. Ich wusste, diese Kerze brennt heute für mich. Das hat gut getan. Auch von Demonstrationen kenne ich das. Nicht so sehr die Worte, die auf den Transparenten stehen, machen Eindruck, sondern die Menschen, die für ihre Überzeugung auf die Straße gehen. Die sozusagen ein lebendiges Zeugnis sind. Und ich finde: Auch der Papst in Rom wirkt viel über Gesten und Bilder. Wenn er sich mit Obdachlosen trifft, mit ihnen isst, mit ihnen spricht, dann bleibt das im Kopf. Oder wenn er in Flüchtlingsunterkünfte geht und den Menschen dort zuhört. Dann sind das Bilder, die nicht erklärt werden müssen. Papst Franziskus macht es da im Prinzip wie sein Vorbild Franz von Assisi mit seiner Krippe: Er predigt ganz lebendig in Bildern. In denen macht er deutlich, was Gottes Liebe in der Welt bewirkt. Er spricht nicht nur durch Verlautbarungen, Pressekonferenzen oder Enzykliken, sondern durch das, was er tut und lebt. Der Papst feiert übrigens heute seinen Geburtstag. Mir gefallen nicht alle seine Aussagen. In manchen Punkten sind wir auch unterschiedlicher Meinung. Aber von diesen lebendigen Glaubenszeugnissen und von den Bildern, die jeder versteht - da wünsche ich mir noch mehr.

Herzlichen Glückwunsch, Papst Franziskus.

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