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Du oder Sie?
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Du oder Sie?

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt
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Du zueinander sagen oder Sie, das ist eine typisch deutsche Frage. Dänen und Isländer haben da kein Problem. Sie nennen sich immer beim Vornamen und zählen dabei zu den glücklichsten Menschen der Welt. Auch die Deutschen duzen sich - in den Bergen und auf hoher See. Manche kennen ein Arbeits-Du: Sie sprechen sich mit dem Vornamen an, wenn sie z.B. an einem Seminar teilnehmen oder an einer online-Konferenz. Vorname, das steht für Nähe, Nachname für Distanz? Meistens.

Beim Vornamen anreden steht für Nähe

Ein amerikanischer Soldat sagt im Traugespräch zu mir: „Bitte nennen sie mich bei der Trauung Jim. Blos nicht Muller, damit hat mich mein Drill-Sergeant immer angebrüllt.“ Starbucks-Kaffee schreibt meinen Vornamen auf den Kaffeebecher, damit die junge Frau am Ende der Theke einmal meinen Namen durch’s Lokal rufen kann. So können alle hören, wie vertraut die Firma mit diesem Peter ist, der da einen Kaffee Latte bestellt hat.

Es gibt auch eine Du-Vertrautheit, die ich manchmal gar nicht möchte und ein sehr respektvolles, wertschätzendes Sie für besondere Menschen, mit denen ich mich wirklich nicht auf einer Stufe sehe.

Gott sprechen wir mit Du an

Gott ist – glaube ich – mit mir per Du. Bei der Taufe heißt es oft: „Ich habe Dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir.“ (Jes 43,1) Dabei ist uns Gott ganz nahegekommen, auch wenn da zwischen Gott und Mensch kein geringerer Unterschied ist als der zwischen Schöpfer und Geschöpf.

Gott hat keinen Vornamen

Im Gebet sagen wird selbstverständlich Du zu Gott: „Vater Unser, der du bist im Himmel …“ Wir sagen vertrauensvoll Du, auch wenn Gott gar keinen Vornamen hat, den wir nennen könnten. „Ha Schem“, der Name, sagen jüdische Menschen, um einen bestimmten Namen für Gott respektvoll zu vermeiden. Der Koran kennt 99 Namen Gottes, also auch nicht den einen.

Du oder Sie? Zwischen den Menschen in Deutschland wird das wohl ein Thema bleiben, mit dem man sich ein bisschen Mühe geben muss. Zwischen Gott und den Menschen ist die Sache aber klar: Wir sind eingeladen, zu Gott Du zu sagen, auch wenn wir keinen Namen nennen. In das Wort Gott passt beides, unverfügbare Distanz und liebevolle Nähe.

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