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„Post – it!“ Der Klebezettel gegen die Vergesslichkeit
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„Post – it!“ Der Klebezettel gegen die Vergesslichkeit

Marcus Vogler
Ein Beitrag von Marcus Vogler, Pfarrer in der Pfarrei St. Johannes der Täufer & Leiter des Bildungshaus, Amöneburg
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Sie kennen sie alle: die kleinen praktischen gelben Klebezettel. Ich kann sie fast überall hin kleben und leicht wieder entfernen. Eine geniale Erfindung des 20. Jahrhunderts. Was aber kaum jemand weiß – sie waren gar kein geplantes Produkt. Die Geschichte der Haftnotizen begann im Jahr 1968. Spencer Silver beschäftigte sich mit der Entwicklung eines neuen Super-Klebstoffs, der stärker und vielseitiger werden sollte als alle bisher bekannten Kleber. Das Ergebnis war aber nur eine klebrige Masse, die sich auf alle Flächen auftragen ließ und genauso leicht wieder abzulösen war. Mehr nicht. An diesem Punkt wusste der Erfinder nicht weiter. Aber er glaubte fest an eine Verwendungsmöglichkeit und machte den neuen Klebstoff mit fast missionarischem Eifer unter seinen Kollegen publik. Viele Jahre später, 1974, hatte Arthur Fry - ebenfalls Chemiker, den entscheidenden Einfall: Fry war begeistertes Mitglied im örtlichen Kirchenchor und legte stets kleine Zettel ins Notenbuch, um seine Einsätze leichter zu finden. Ständig fielen seine Zettel heraus. Das störte nicht nur ihn, sondern auch seine Mitsänger. Da erinnerte er sich an die Erfindung seines Kollegen und besorgte sich den verschmähten Kleber aus dem Labor. Er bestrich seine Zettel damit, die jetzt nicht nur hielten, sondern auch ohne Rückstände wieder von den Seiten zu lösen waren. Das Problem war gelöst und die Idee der Haftnotizen verbreitete sich in Windeseile.

Ich bin Arthur Fry sehr dankbar. Denn ohne diese Erfindung würde mir in meinem Alltag vieles „durchgehen“: Die kleinen praktischen Klebezettel erinnern mich an wichtige Telefonanrufe, die noch zu erledigen sind. Sie hängen am Kühlschrank und rufen mir ins Gedächtnis, was ich beim nächsten Einkauf auf keinen Fall vergessen darf. Sie markieren in Vertragsunterlagen die Stellen, an denen ich meine Unterschrift leisten muss. Ja sogar in der Bibel dienen sie mir als Unterstützung, wenn ich während eines Vortrags mal schnell eine Bibelstellte in den Vortrag einschieben möchte. Die kleinen Dinger sind oft meine letzte Rettung. Ein „post-it“ gegen meine Vergesslichkeit!Ein solches „post-it“ gegen meine Vergesslichkeit finde ich auch in der Bibel. Im Psalm 103 heißt es: „Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat.“ Die täglichen Pflichten und Aufgaben rauben mir oft viel Zeit. Dann vergesse ich einfach, bewusst innezuhalten und über all die Dinge nachzudenken, die nicht selbstverständlich sind, sondern Geschenke.

Da fällt mir bei genauerem Nachdenken ganz viel ein. Gerade die kleinen Dinge kommen mir dann in den Sinn, die ich oft für selbstverständlich halte: ich habe ein Dach über dem Kopf und kann morgens ohne Schmerzen aufstehen. Im Bad wartet eine Dusche auf mich und lässt mich gut in den Tag starten. Warme Kleider schützen mich in der jetzt noch kalten Jahreszeit. In der Küche steht meine Kaffeemaschine bereit. Auf Knopfdruck läuft der leckere Kaffee in meine Tasse und erfüllt den Raum mit herrlichem Duft. Ich habe eine Familie, die mich stützt und Freunde, mit denen ich schöne Stunden erleben darf. Diese Aufzählung könnte ich noch beliebig fortsetzen, wenn ich mir die Zeit nehme, darüber nachzudenken.

Versuchen Sie es doch auch: Kleben Sie sich ein Post-it auf den Kühlschrank oder die Kaffeemaschine. Darauf steht dann die Psalmbotschaft: „Vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat“. Und immer, wenn Ihr Blick darauf fällt, erinnern Sie sich an eine gute Sache, die Ihnen wiederfahren ist. Sie werden merken: Das verändert den Blick aufs eigene Leben. Das Negative wird kleiner – und das Schöne wird groß und gewinnt Gestalt. Das ist meine Erfahrung. Probieren Sie es doch einfach mal aus.

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