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Freies Entscheiden und der Wille Gottes
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Freies Entscheiden und der Wille Gottes

Prof. Dieter Wagner
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Prof. Dieter Wagner,

Oberschulrat i. K. i. R., Künzell
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Die Entscheidungsforscher sagen: Ich werde heute wieder rund 70 Entscheidungen treffen. Trinke ich einen Espresso oder einen Cappuccino? Rede ich mit meinem Nachbarn über die fremden Zigarettenkippen in meinem Garten oder verschiebe ich das Gespräch? 70 Entscheidungen während eines gewöhnlichen Alltags! Das sind über 25.000 Entscheidungen in einem Jahr und etwa 1,9 Millionen in meinem bisherigen Leben. Und die meisten Entscheidungen betreffen etwas mehr als nur die Wahl  des Kaffees. Irgendwie bauen Entscheidungen an meinem Leben und werkeln an meiner Persönlichkeit. In manchen Situationen habe ich wie der berühmte Esel gehandelt, der zwischen zwei Heuhaufen verhungert ist. Er konnte sich nämlich nicht für einen der beiden entscheiden, weil er meint, der eine sei doch schmackhafter und größer als der andere. In solchen Situationen kann die Entscheidungsfreiheit nicht nur als eine Last empfunden werden, sondern sogar in eine existentielle Not führen. Sich nicht entscheiden können aus Furcht vor den Wirklichkeiten, die ich mit jedem Ja und jedem Nein schaffe, ist das eine Problem. Und dann kommt auch noch Gott ins Spiel!
Im Vaterunser bete ich: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Kritisch frage ich mich: Bei wie vielen meiner bisherigen Entscheidungen habe ich ganz bewusst nach dem Willen Gottes gefragt? Und wenn, dann habe ich nichts von Gott gehört, habe weder eine SMS noch eine Apps auf meine Anfrage erhalten. Erst spät ist mir „aufgegangen“: Bestimmte Entscheidungen nimmt mir Gott nicht ab. Er lässt mir die Wahl.
Allerdings lässt er mich bei Entscheidungen nicht allein. Von Propheten, Heiligen, von frommen Menschen aller Zeiten sind Hinweise und Anleitungen überliefert, wie ich den Willen Gottes erkennen und erfüllen kann. Maßgeblich sind vor allem die Zehn Gebote (Ex 20, 2-17) und die Hinweise Jesu in der so genannten Bergpredigt (Mt 5, 3-12). Ich versuche zumindest, nach diesen meinen Alltag zu gestalten. Dementsprechend darf ich darauf vertrauen, dass alle Entscheidungen, die nicht gegen die die Zehn Gebote und die Bergpredigt Jesu verstoßen, dem Willen Gottes entsprechen. Entscheidungen also, die auf Gewalt verzichten, die ohne Hintergedanken zu anderen gut sein wollen, die Frieden und Gerechtigkeit ermöglichen. Deshalb darf ich mit gutem Gewissen auch zukünftig beten: Gott, dein Wille soll geschehen, wie im Himmel so auf Erden, wie im Großen so im Kleinen, wie durch Jesus so durch mich. Mit dem Satz: Dein Wille geschehe, vertraue ich mich mit allen Christinnen und Christen der Liebe Gottes an.

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