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Der 9. November: Mauerfall und Reichspogromnacht
Esther Stosch / pixelio.de

Der 9. November: Mauerfall und Reichspogromnacht

Michael Friedrich
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Michael Friedrich,

Volkshochschulleiter und Diakon, Hosenfeld
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Der 9. November macht uns Deutschen, aber auch vielen anderen Menschen, drastisch deutlich, wozu ein Volk in der Lage ist. Zum einen wurde mit zeichenhaften Handlungen, nämlich dem Anzünden der Synagogen, ein Völkermord eingeleitet. Eine Maschinerie des Todes, die aus der Mitte der Gesellschaft erwachsen ist. Zum anderen leiteten rund 50 Jahre später die Menschen in der DDR mit Kerzen in den Händen die Wiedervereinigung Deutschlands ein. „Wir sind das Volk!“ riefen sie den Machthabern entgegen und - heute sind wir ein Volk.
Das zweite Ereignis habe ich bewusst miterlebt und mit diesem möchte ich mich heute Morgen beschäftigen. Die Tage um den 9. November 1989 waren spannend. Für mich persönlich, nur wenige Kilometer von der Deutsch-Deutschen Grenze entfernt aufgewachsen, wurden jahrelange Gewissheiten umgedreht. Noch wenige Monate zuvor hatte ich einen Fall der Mauer für unmöglich gehalten. Noch heute bin ich davon fasziniert, dass ich einfach so nach Thüringen fahren kann. Der Weg nach Osten war mir ohne eine besondere Einladung versperrt. Heute stehen mir anders als früher, vier statt drei Himmelsrichtungen offen, in die ich mich bewegen kann. Die Bilder des 9. November 1989, der offenen Tore in der Berliner Mauer sind im Gedächtnis geblieben. Ebenso wie der Anblick einer Armada von Trabbis und Wartburgs, die wenig später den Fuldaer Domplatz füllten. Gerne erinnere ich mich an das Staunen der Menschen und die Begegnungen mit Ihnen. Tiefes Glück habe ich empfunden. Und noch heute bin ich den Menschen in der ehemaligen DDR für ihr friedliches Demonstrieren dankbar. Sie haben gezeigt: Ein Volk kann friedlich aufbegehren. Man kann mit Kerzen in den Händen auf die Straße gehen und den Mächtigen „Wir sind das Volk“ entgegenrufen. Man kann gegen Unterdrückung und Unrecht Gedanken der Freiheit und des Rechtes setzen. Mehr noch: Man kann damit sogar eine Mauer und einen menschenverachtenden Todesstreifen zu Fall bringen.
Und wir wissen: Die Menschen gingen nicht nur mit Kerzen in den Händen auf die Straße, sondern sie gingen auch in die Kirchen. Dort sangen und beteten sie. Etwas pathetischer: Die Kinder des Lichtes, gleichgültig ob Christen oder nicht, gaben den Gedanken der Hoffnung und des Lebens Ausdruck. Die Kirchen und das Gebet, Kerzen und Lieder waren der Anfang von neuen Verhältnissen. Dafür bin ich den Menschen in den neuen Bundesländern und Gott dankbar.
Schon in der Bibel, genauer im ersten Brief an die Thessalonicher (1 Thess 5) schreibt Paulus, dass sich die Verhältnisse über Nacht ändern können. Er mahnt wach zu bleiben und stets mit Umbrüchen zu rechnen. Paulus hat natürlich nicht den Fall der innerdeutschen Grenze im Blick, sondern die Wiederkunft Christi. Er sagt aber auch, ihr seid Kinder des Lichtes und darum könnt ihr gelassen bleiben. Und das gilt heute genauso wie vor 2000 Jahren.
Der Mauerfall – für mich ein Zeichen, dass Gott auch heute mit uns Menschen ist.

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