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Mutig für die Wahrheit einstehen
Bild: Pixabay

Mutig für die Wahrheit einstehen

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Medienkoordinator des Bistums Mainz
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„Das musst du lesen“, hatte meine Mutter zu mir gesagt. Und mir einen ziemlich dicken Wälzer in die Hand gedrückt. Über 600 Seiten. Zugegeben: Ich war erst einmal ziemlich skeptisch. Ich komme ja kaum zum Lesen und dann gleich so ein dickes Buch. Und dazu noch ein ziemlich depressiver Titel: „Jeder stirbt für sich allein“. Von Hans Fallada. Den Namen des Schriftstellers hatte ich schon einmal gehört, aber noch nichts gelesen. Von ihm ist der Roman „Kleiner Mann – was nun?“ Nach einigem Zögern habe ich das Buch genommen. Ein paar Tage hat es unbeachtet auf meinem Nachttisch gelegen. Bis ich dann ein paar Tage krank war. Da ist mein Blick auf das Buch mit seinem blau-beigen Umschlag gefallen, und ich habe angefangen zu lesen. Und konnte nicht mehr aufhören, denn die Geschichte hat mich wirklich gefesselt. Nach nicht mal drei Wochen war ich damit durch.

Hans Fallada schrieb das Buch „Jeder stirbt für sich allein“ 1947. Es erzählt die Geschichte des Ehepaars Anna und Otto Quangel. Ihr Sohn stirbt als Soldat im Zweiten Weltkrieg, und das Ehepaar Quangel ist tief erschüttert vom Tod des einzigen Kindes. Sie wollen Widerstand gegen die Nazidiktatur leisten und beginnen, Botschaften gegen das Hitler-Regime auf Karten zu schreiben. Jede Woche ein bis zwei Stück. Über zwei Jahre verteilen sie diese Karten in der Stadt Berlin, vor allem in Treppenhäusern. Schließlich werden sie gefasst und zum Tode verurteilt. Falladas Geschichte hat ein historisches Vorbild: Es ist das Ehepaar Otto und Elise Hampel. Heute vor 78 Jahren wurden die beiden im Gefängnis Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt. Es beschreibt eindringlich, was es heißt, in einer Diktatur zu leben. In ständiger Angst und Bedrohung. Mir kam es beim Lesen manchmal so vor, als könnte ich diese Atmosphäre mit den Händen greifen. Es ist aber auch eine Geschichte über das Gewissen. Und über zwei einfache Menschen, die genau wissen, was wahr und was falsch ist.

Ich habe bei der Geschichte auch an einen Satz aus der Bibel gedacht. Im Matthäus-Evangelium heißt es: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein.“ (Matthäus-Evangelium 5,37) Es sind klare, ganz einfache Worte, die Jesus da sagt. Sie sagen mir: Sei wahrhaftig und authentisch! Achte darauf, dass dein Leben und dein Handeln übereinstimmen. Stehe zu deinen Überzeugungen. Das ist in unserer Gesellschaft, in einer freien Demokratie relativ einfach zu machen. Natürlich ecke ich auch mal mit einer anderen Meinung an. Aber ich muss nicht Angst haben, vielleicht denunziert und gar verhaftet zu werden.

In anderen Ländern ist das ganz anders, zum Beispiel in Weißrussland, Myanmar oder Saudi-Arabien. Ich bewundere die Menschen, die dort auf die Straße gehen und trotz persönlicher Gefahren zu ihrer Meinung stehen. Und solche Menschen, damals wie heute, inspirieren mich dazu, auch für meine Meinung einzustehen. Für das konsequent einzutreten, was mir wichtig ist.

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