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War früher alles besser?

War früher alles besser?

Gunnar Bach
Ein Beitrag von

Gunnar Bach,

Katholischer Pastoralreferent, Pfarrei Liebfrauen, Westerburg
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„Früher war alles besser“ – diesen Satz höre ich immer wieder mal. Gott sei Dank oft mit einem ironischen Unterton. Und doch wundert es mich, an welch verstaubten Dingen oft noch festgehalten wird. Heute wird zum Beispiel in den USA der „Tag des Videorecorders“ begangen. Den Videorecorder gibt es schon 44 Jahre, und er ist inzwischen durch die digitale Technik längst überholt worden.

Natürlich mach ich das auch manchmal gerne: in meinen alten Sachen stöbern und dabei in Erinnerungen schwelgen. Vor kurzem habe ich meine alte Stereoanalage von meinen Eltern zuhause abgeholt, zusammen mit den alten Venyl-Langspielplatten, zum Beispiel von Nena. Wenn ich mir die alten Aufnahmen auf meinem alten Plattenspieler anhöre, ist das authentischer und lustiger als per Streamingdienst. Ich find das klasse, wenn das dann sogar noch ein bisschen kratzt beim Abspielen!

Nena hatte vor ein paar Jahren sich selbst und ihr Alter auf ’s Korn genommen und einen Song geschrieben, mit dem sie zeigen wollte, dass sie ganz schön „oldschool“ ist. Mir gefällt das, glaub ich so gut, weil ich auch in manchen Dingen, wie zum Beispiel mit meinem Plattenspieler, oldschool bin. Aber immerhin werden auch in den neuen Medien und den Streamingdiensten, und natürlich auch auf Hr 1, von vielen noch die alten 80-er Songs gehört.

Altes und Neues: Jesus hatte dazu seine eigene Meinung. Zu den Pharisäern, den Experten für die Auslegung der Heiligen Schrift, hat er gesagt: „Niemand setzt ein Stück neuen Stoff auf ein altes Gewand; denn der neue Stoff reißt doch wieder ab und es entsteht ein noch größerer Riss. Auch füllt man nicht jungen Wein in alte Schläuche. Sonst reißen die Schläuche, der Wein läuft aus und die Schläuche sind unbrauchbar. Jungen Wein füllt man in neue Schläuche, dann bleibt beides erhalten.“ (Matthäus-Evangelium 9,16f)

Ich finde, Jesus hat vollkommen recht: Wenn es etwas völlig Neues gibt, was mit dem Alten ganz und gar nicht vergleichbar ist, dann gehört es auch nicht in alte Formen und Formate. Das Alte, das will er nicht verdammen oder wegschmeißen. Aber das Neue auch wertzuschätzen und es für sich neben dem Alten gelten lassen - dafür hat sich schon Jesus eingesetzt. Das ist zwar schon 2000 Jahre her, aber diese Botschaft ist alles Andere als angekratzt oder verstaubt, und für mich ist sie wertvoller als jede ihrer Verpackungen. Ob sie in einem Buch, auf einer kratzenden Schallplatte und auch wie jetzt übers Radio in lupenreiner digitaler Tonqualität zu mir gelangt.

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