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Lob den Fehlbaren

Lob den Fehlbaren

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von

Pia Arnold-Rammé,

Katholische Pastoralreferentin, Referentin für Sozialpastoral, Frankfurt
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Ich habe einige Jahre im Frauengefängnis als Seelsorgerin gearbeitet. Die frühere Leiterin dieses Gefängnisses, Helga Einsele, sprach von den Gefangenen immer von den „Fehlbaren“. Dieser Begriff hat mir gefallen. Er macht vor allem auch deutlich: Gefangene sind Menschen wie du und ich. Auch wir sind fehlbar, auch wir machen Fehler. Ich habe halt vielleicht einfach nur Glück gehabt oder günstige Lebensumstände, dass meine Fehler mich nicht ins Gefängnis geführt haben.

In der Karwoche jetzt geht es in den biblischen Geschichten auch immer wieder um fehlbare Menschen: Da ist zum Beispiel die Geschichte von Judas: Er verrät Jesus und liefert ihn an die Römer aus. Und da ist die Geschichte von Petrus. Er behauptet großkotzig: Ich will Jesus immer nachfolgen! Und ich bin sogar bereit, mein Leben für ihn zu opfern! Jesus aber hält ihm entgegen: „Du willst für mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“(Johannes-Evangelium 13,38)

Und so kommt es dann auch: Nachdem Jesus verhaftet wird, verleugnet Petrus Jesus und sagt: Ich kenne diesen Menschen nicht! Hinterher weint er bitterlich über seinen Verrat. Und trotzdem gilt er in der katholischen Kirche als erster Papst. In der Bibel stehen viele Geschichten, in denen die Unperfekten und Fehlbaren die Stars sind. Sie machen Fehler – und trotzdem bleiben sie wichtige und von Gott geliebte Menschen.

Ich finde das sehr tröstlich, denn das heißt für mich: Auch ich muss nicht perfekt sein. Ich kann mich selbst so annehmen, wie ich bin, unperfekt, unvollkommen, fehlbar. Das entspannt mich und hilft mir selbst.

Es verändert aber auch meinem Blick auf die anderen: Auch sie müssen nicht perfekt, vollkommen, unfehlbar sein. Ich gehe gnädiger mit meinen eigenen Fehlern und Schwächen um und mit denen der anderen. Auch im ganz banalen Alltag: wenn der vor mir nicht Auto fahren kann zum Beispiel oder die Kassiererin sich verrechnet. Wir sind unperfekte, unvollkommene und fehlbare Menschen. Und wir können trotzdem entspannt und freundlich miteinander umgehen.

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