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Freust du dich auf Weihnachten?
Bild: Jürgen Damen/ Pfarrbriefservice.de

Freust du dich auf Weihnachten?

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz
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Freust du dich auf Weihnachten?“ Diese Frage hat mich kalt erwischt. Freue ich mich auf Weihnachten?... „Also eigentlich ja schon, aber…“ beginnt meine Antwort, und ich denke an die vielen Dinge, die noch zu erledigen sind.

Ich wünsche mir ein schönes Fest für meine Familie mit Plätzchen, Geschenken, einem schönen Baum und frohen Gesichtern. Dafür muss einiges eingekauft, geputzt, gebacken, gekocht, vorbereitet, geschmückt und dekoriert werden.

Eigentlich sind ja all diese Dinge, die noch zu erledigen sind, auch Ausdruck der Vorfreude. Ich bereite alles mit so viel Aufwand vor, weil ich mir wünsche, dass alle sich wohlfühlen. Aber manchmal wird es zu viel – ich übertreibe es und es macht mich müde und gestresst – dann freue ich mich nicht mehr auf Weihnachten.

Ich nehme mir vor, gegen das „eigentlich“ und das „aber“ in meiner Antwort etwas zu tun. Ich will es in diesem Jahr nicht übertreiben. Ich backe lieber ein paar Sorten weniger Plätzchen und setze mich stattdessen lieber mit einer Freundin bei einer Tasse Tee zusammen. Oder ich nehme mir Zeit, unseren Adventskranz zu betrachten. Eigentlich weiß ich ja auch: Es wird Weihnachten, ganz ohne mein Zutun.

Aber die Frage „Freust du dich auf Weihnachten?“ beschäftigt mich auch noch auf andere Weise: – Ich denke an Menschen in meiner Umgebung und was sie wohl antworten würden: Der kleine Sohn einer Freundin würde sicher aus vollem Herzen mit Ja antworten. Und meine 85jährige Nachbarin auch, weil ihre Enkelin zu Besuch kommt.

Aber was ist mit einem Freund, dessen Familie in diesem Jahr zum ersten Mal ohne Mutter Weihnachten feiern muss? Was ist mit der Bekannten, deren Mann bettlägerig ist und die deshalb kaum noch aus dem Haus kommt? Freuen die sich auf Weihnachten?

Mir fallen die biblischen Texte ein, die von Weihnachten erzählen: Die Engel verkünden den Hirten auf dem Feld: „Fürchtet euch nicht, ich habe eine große Freudenbotschaft für euch und für das ganze Volk. Heute ist euch der Retter geboren worden, in der Stadt Davids: Christus, der Herr!“ (Lk 2,10f)

„Fürchtet euch nicht!“ - Für mich ist dieser Gruß der Engel eine Voraussetzung für Weihnachtsfreude: Ich brauche keine Angst zu haben vor dem, was kommt. Ich brauche keine Angst zu haben vor der Einsamkeit, vor der Trauer oder vor dem Trubel.

Ich brauche keine Angst zu haben vor den Herausforderungen in meinem Leben, denn Gott ist da. „Heute ist für euch der Retter geboren“ – vor über 2000 Jahren. Damals schon hat sich Gott ganz klein gemacht, um den Menschen nahe zu sein. Gott ist Mensch geworden, in einer armen Umgebung in einer Stadt, in der niemand die Zuwanderer haben wollte. Er ist als hilfloses Baby zur Welt gekommen, wie jeder andere Mensch auch. Darum kann ich darauf vertrauen, dass Gott meine Angst kennt. Er hat erlebt, dass es einem zu viel werden kann. Er hat erlebt, dass man arm und verlassen sein kann.

Statt auf die Frage „Freust du dich auf Weihnachten?“ würde ich deswegen lieber antworten auf die Frage: „Freust du dich über Weihnachten?“. - Da könnte ich von ganzem Herzen Ja sagen. Ich freue mich darüber, dass Gott den Menschen nah sein will, dass er alles mitgemacht hat an Freude und Leid, was ein Menschenleben so bieten kann. Ich freue mich darüber, denn das gibt mir Vertrauen auf ihn – und dann kann auch bei mir die Freude auf das Weihnachtsfest langsam wachsen.

 

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