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Krone der Schöpfung?
Bild: DessineMoiUnMounton/Pixabay

Krone der Schöpfung?

Helmut Wöllenstein
Ein Beitrag von Helmut Wöllenstein, Evangelischer Propst i. R., Sprengel Marburg
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Sie fliegen bei uns im Garten, jeden Sommer, mit einem tiefen Brummen. Manchmal landet einer. Und ich muss ihn sofort auf die Hand nehmen, den Hirschkäfer, muss ihn bewundern: seine glänzenden Flügel, die kräftigen Zangen, mit denen er einen ganz schön zwicken kann. Es ist der größte Käfer bei uns im Land. Dieses Jahr waren sie alle etwas kleiner geraten. Es war einfach zu trocken in den letzten Jahren, - als die Larven im morschen Holz herangewachsen sind.

Für mich ist es ein Wunder. Der Käfer bringt mich genauso zum Staunen wie nachts die Sterne. Mir fallen dann auch Bibelworte ein: "Gott, wenn ich sehe die Himmel deine Hände Werk, den Mond und Sterne, die du gemacht hast", da staunt einer, und kommt vom Stauen ins Fragen:  "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?"(Ps 8,5) Wer sind wir in diesem Kosmos mit all den großartigen Geschöpfen? - Und dann die Idee: Der Mensch ist fast auf Gottes Niveau: Wenn er so weit schauen und alle Geschöpfe bewundern kann. Dann müsste er fast sein wie Gott. "Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk…"  (Ps 8, 6f)

Viele werden wütend, wenn sie solche Sätze hören. Der Mensch als Krone der Schöpfung. Und haben wir das in den letzten Monaten nicht ganz anders erlebt?   Die Corona hat die Schöpfung beherrscht. Und uns Menschen dazu. Die Natur war nicht einfach nur unser Lebensraum, friedlich und harmonisch. Sondern sie war auch ein Kampfgebiet. Ein so kleines, winziges Stück Natur, nicht mal ein Lebewesen, sondern ein Virus, wurde hoch agil, konnte zeigen wie schwach wir sein können, wie verletzlich im Kampf ums Überleben.

Was ist nun wahr: Sind wir die Krone der Schöpfung, können wir über die Natur herrschen oder sind wir ihr ausgeliefert? Was können wir lernen aus der Krise? Eins ist klar: Wir müssen runter vom Hohen Ross. Niemand kann mit der Natur machen, was er will. Wir sind Teil der Schöpfung, sind von ihr abhängig. Und die Natur ist nicht nur freundlich. Deshalb möchte ich auf alle hören, die etwas von ihr verstehen. Das gilt für Corona – und es gilt für viele Bereiche, aber besonders auch für den Klimawandel. Wissenschaftler*innen machen deutliche Ansagen. Handeln müssen wir alle. Also wenn ich meine Hirschkäfer bewundere, will ich nicht nur gläubig staunen. Sondern etwas dafür tun, damit sie weiterleben können. Und wir mit ihnen.

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