hr2 ZUSPRUCH
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Ein lächelnder Mann mit Brille und grau meliertem Haar trägt ein hellblaues Hemd. Er hat die Arme verschränkt und sieht freundlich aus. Der Hintergrund ist in neutralen Farbtönen gehalten.

Eine Sendung von
Volker Mantey,
Evangelischer Propst, Marburg

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Wenn Männer miteinander segeln

Neunzehn Männer auf einem Schiff im westfriesischen Wattenmeer, zusammen eine Woche lang unterwegs auf einer ökumenischen Segelfreizeit. Es sind nur Männer. Aber was heißt hier „nur“?

Segeln lernen auf einem historischen Klipper

Sie haben sich angemeldet. Evangelische und katholische Gemeinde hatten dazu eingeladen. Der Skipper, der das Schiff steuert, zeigt den Männern, wie man mit einem Klipper segelt. Die „Eendracht“ – so heißt das Schiff – ist ein historischer niederländischer Segelfrachter, der später zum Fahrgastschiff umgebaut wurde. Sie lernen etwas über Gezeiten, Knoten und Windstärken. Die Segel im Großmast und an der Fock sind gesetzt; der Motor ausgeschaltet. Das Schiff bewegt sich nur durch die Kraft des Windes fort. Die Männer genießen es.

Wenn Hilfsbereitschaft ganz selbstverständlich wird

Dieser Segeltörn ist eine besondere Zeit. Das beginnt schon beim Frühstück machen: Zu viele wollen helfen. Wer nicht zum Zuge kommt, räumt wenigstens ab. Abends kocht ein anderes Team für alle. Und einer, der den ganzen Tag nichts zu tun hat, bietet an: „Dann koche ich morgen!“

Männergespräche sind oft ganz anders als ihr Ruf

Keiner schweigt. Alle reden. Alle erzählen von sich, von ihren Plänen und ihren Sorgen, von dem, was sie beschäftigt. Das passiert schon beim Kennenlern-Interview am ersten Tag: Jeweils zwei beantworten sich gegenseitig kuriose oder tiefgehende Fragen: Was ist das lauteste Geräusch, das du je gehört hast? Was ist deine erste Kindheitserinnerung? Was ist die schönste und was die traurigste Erfahrung in deinem Leben? Und diese neunzehn Männer erzählen. Auf einmal stimmt keines der Klischees mehr, die uns Männern so gerne anhaften: verschlossen, mit Tunnelblick unterwegs, nicht besonders gruppenkompatibel und vom Kochen keine Ahnung.

Was brauchen Menschen für echte Gemeinschaft?

Warum sind wir eigentlich nicht immer so wie jetzt auf dem Schiff, denke ich. Was braucht es eigentlich, damit Menschen so miteinander sein können? „Siehe, wie gut und wie schön ist es, wenn Brüder miteinander in Eintracht wohnen.“ So heißt es in einem Vers in Psalm 133. Da steht nicht: „Strengt euch an, damit ihr endlich miteinander auskommt!“ Sondern: „Schaut einmal, wie wertvoll es ist, wenn Menschen wirklich als Geschwister zusammenleben.“

Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Mehr Offenheit wagen

Manchmal denke ich: Wie gut täte es unserer Gesellschaft, wenn wir das viel öfter zuließen: Nicht immer stark sein müssen. Nicht alles im Griff haben müssen. Erzählen können, was einen freut – und was einem Sorgen macht. Sich aufeinander einlassen. Diskutieren, ohne einander zu verletzen.

Diese Segelwoche ist eine besondere Auszeit. Wir erleben das, was Psalm 133 bestaunt: Wie gut es tut, wenn Menschen wirklich miteinander leben. Und hoffentlich nehmen wir diese Erfahrungen mit an Land.