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Schönheit, die sich wie von selbst entfaltet

Schönheit, die sich wie von selbst entfaltet

Dr. Barbara Brüning
Ein Beitrag von

Dr. Barbara Brüning,

Katholische Journalistin, Autorin und Systemische Familienberaterin, Frankfurt
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Gerade habe ich den Eindruck, die ganze Welt badet in Schönheit. Allen Ängsten und Sorgen in der Krise um den Corona-Virus zum Trotz. Wenn ich aus dem Fenster sehe, dann lacht mich ein blühender Apfelbaum an. Weiter hinten sehe ich viele bunte Farbtupfer auf dem Hintergrund von frischem Grün. Gestern habe ich meine Nachbarin am Gartenzaun getroffen, und ich habe ihr genau das gesagt: Wie schön das alles ist, ohne dass ich etwas dazu tue! Nun – das war ein Fehler. Ziemlich empört hat sie geantwortet: „Das sehe ich, dass Sie nicht viel dazu tun. Aber das ist doch nicht schön. Ungepflegt und voller Unkraut. Hier bei mir sehen Sie, wie ein Garten aussehen kann. Aber da steckt viel Arbeit drin.“

Ich muss zugeben, dass ihr liebevoll gepflegter Garten richtig schön durchkomponiert ist! Keine Frage. Aber ehrlich gesagt: Noch schöner finde ich Gärten, in denen es ein wenig wilder zugeht. In denen die Blumen nicht fein säuberlich nach Farben und Sorten geordnet in Reih und Glied stehen. Ich reserviere in meinem Garten neben der Gartenhütte immer eine Ecke, in der ich die Brennnesseln stehen lasse. Ich mache da gerne eine Suppe draus – die ist sehr lecker und gesund. Ansonsten bewundere ich die Reinheit und Klarheit der Farben von den Blumen, die ganz von selbst jedes Jahr wiederkommen. Ihre Symmetrie und das Ebenmaß im Wuchs. Und mich fasziniert ihre Kraft, sich nicht unterkriegen zu lassen. Etwa im Löwenzahn. Im Salbeistrauch oder Liebstöckel. Die Kraft, sich in ihrer Schönheit zu entfalten, tragen sie in sich – ganz ohne Zutun.

Und diese Schönheit, die fesselt immer wieder meine Aufmerksamkeit und lenkt meine Gedanken nach oben zu einem Schöpfer. Ich denke, er ist es, der sich in jedem Geschöpf wie ein gestaltendes Prinzip offenbart. Diese Schönheit ruft mich zu einem stillen, manchmal wortlosen Gebet. Ich werde andächtig und dankbar.

Und so kann ich in meinem Garten liegen und Vielfalt, Fülle, Lebenskraft aller Pflanzen genießen. Kann mich entspannen als ein Geschöpf unter anderen. Ich bin vielleicht das einzige hier, das über Schönheit nachdenken kann - aber ich habe den Eindruck: Wir allem gemeinsam preisen unseren Schöpfer, indem wir uns entfalten und unser Bestes geben.

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