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Martin Luther King zum 85.
Foto: pixabay / geralt

Martin Luther King zum 85.

Martin Vorländer
Ein Beitrag von Martin Vorländer, Evangelischer Pfarrer und Rundfunkbeauftragter für den hr, Frankfurt

Eine Frau steigt in einen Bus. Der hintere Teil ist völlig überfüllt. Die Frau setzt sich auf einen freien Platz weiter vorne. Ein Mann kommt. Er fordert sie auf, den Platz zu räumen. Die Frau bleibt sitzen. Der Busfahrer ruft die Polizei. Die Frau wird verhaftet und wegen Störung der öffentlichen Ruhe zu einer Geldstrafe verurteilt.

Die Frau heißt Rosa Parks und ihr Fall hat sich 1955 in Montgomery im US-Bundesstaat Alabama zugetragen. Rosa Parks war Afroamerikanerin. Der Mann, der sie vom Sitzplatz vertreiben wollte, war ein Weißer. In den städtischen Bussen von Montgomery damals waren die Plätze vorne „nur für Weiße“ reserviert. Menschen mit anderer Hautfarbe sollten hinten sitzen. Gegen diese Ordnung hatte Rosa Parks verstoßen.

In Montgomery gab es in der Baptistengemeinde einen Pfarrer, 26 Jahre alt: Martin Luther King. Aus Protest gegen die Verhaftung von Rosa Parks organisierte er einen Boykott, der als Montgomery Bus Boykott bekannt wurde: Über ein Jahr lang fuhren viele Menschen nicht mit den städtischen Bussen. Martin Luther King achtete darauf, dass die Proteste ohne Gewalt blieben. Der Boykott hatte Erfolg: Ein Jahr später erklärte der Oberste Gerichtshof in den USA die Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln für verfassungswidrig.

Heute wäre Martin Luther King 85 Jahre alt geworden. Wäre. Er wurde 1968, noch nicht vierzig Jahre alt, von einem weißen Mann erschossen. Martin Luther King hat nur die Anfänge seines Traumes erlebt: Schwarze und Weiße gemeinsam. Martin Luther King hat Freiheit gepredigt. Eine Freiheit, die bis heute nachwirkt: Kein Mensch soll gezwungen sein, hinten im Bus zu sitzen. Kein Mensch soll gezwungen sein, überhaupt irgendwo am Rand zu stehen.

Zum 85. Geburtstag von Martin Luther King seine eigenen Worte: „Heute sage ich euch, meine Freunde, trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum. Ich habe einen Traum, dass eines Tages diese Nation sich erheben wird und die wahre Bedeutung ihres Glaubensbekenntnisses leben wird: ‚Wir halten diese Wahrheit für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich erschaffen sind.‘“ Das war die Erklärung der Menschenrechte durch die Gründungsväter und –mütter der Vereinigten Staaten. Und Martin Luther King fuhr fort:

„Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Geschwisterlichkeit sitzen können. (…) Ich habe einen Traum. Heute.“ Noch ist der Traum längst nicht überall auf der Welt Wirklichkeit. Aber wir dürfen nicht aufhören, ihn zu träumen.

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