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Her mit der Frauenquote!
Gerd Altmann/Pixabay

Her mit der Frauenquote!

Andrea Seeger
Ein Beitrag von

Andrea Seeger,

Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Moderator/Moderatorin: Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer fordert eine Frauenquote bei Wahlen für Spitzenämter in ihrer Partei. Entscheiden werden das die CDU-Mitglieder auf dem Parteitag im Dezember. Bereits in dieser Woche beschlossen hat die schwarz-rote Bundesregierung eine nationale Gleichstellungsstrategie. Es scheint sich etwas zu tun in Sachen Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern. Wie sieht es in der evangelischen Kirche aus mit Frauen in Führungspositionen? Fragt Andrea Seeger von der evangelischen Kirche.

Fast 80 Prozent der Beschäftigten in der evangelischen Kirche sind weiblich

Die evangelische Kirche ist weiblich. Fast 80 Prozent der Beschäftigten sind Frauen. Im Ehrenamt verhält es sich ähnlich. Und die evangelische Kirche tut einiges in Sachen Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern: Sie hat Gleichstellungsbeauftragte eingesetzt, Gleichstellungsziele in Gesetzen und Verordnungen verankert, verleiht Gütesiegel für Familienorientierung.

In den Leitungsämtern sind die Frauen unterrepräsentiert

Das klingt gut. Ist aber bei weitem nicht so gut, wie es sein sollte. Unter 20 Bischöfen finden sich gerade einmal drei Bischöfinnen. Deutlich unterrepräsentiert sind Frauen in den Leitungsämtern im mittleren Kirchenmanagement. Hier ist nur ein Fünftel weiblich. Je höher die Ebene, desto mehr bestimmen Männer.

Bewerberinnen gibt es genug, doch der Mann bekommt den Job

Woran liegt das? Bestimmt nicht daran, dass es zu wenig qualifizierte Frauen für hohe Ämter gibt. Und bewerben tun sie sich auch. Doch dann bekommt der Mann den Job.

Ein mentaler Wandel ind den Köpfen von Männern und Frauen ist gefragt

Wie lässt sich das ändern? Mit der Quote!
Selbstverpflichtungen nützen rein gar nichts. Zur Quote gehört auch ein mentaler Wandel in den Köpfen von Männern und Frauen. Männern müssen sich die Kriterien ihrer Personalentscheidung bewusstmachen – bisher suchen sie zu oft ihresgleichen aus. Heimlich, still und leise wirken stereotype Rollenbilder fort.

Die Verhinderungstrategien gegenüber Frauen in Führungspositionen sind ausgefeilt

Frauen müssen mehr wagen, die angebotene Chance nutzen. Dazu brauchen sie Wertschätzung und Ermutigung, manchmal auch einen kleinen Schubs. Und klar: Die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben ist ein zentraler Punkt. Verhinderungsstrategien gegenüber Müttern in Führungspositionen sind ausgefeilt. Eine Frau muss sich bei Bewerbungen oft fragen lassen: „Und wer kümmert sich um Ihre Kinder?“ Beim männlichen Mitbewerber, ebenfalls Familienmensch,  interessiert das niemanden.

Die evangelische Kirche in Nordhessen war übrigens originell: Als sie im vergangenen Jahr das Bischofsamt neu zu besetzen hatte, stellte sie nur zwei Kandidatinnen auf. Es war also von vorneherein klar: Der nächste Bischof wird eine Bischöfin. Geht doch!

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