Ihr Suchbegriff
Beitrag anhören:
Auf Abstand
Bild: Pixabay

Auf Abstand

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
Beitrag anhören:

Abstandhalten: Das war für die meisten von uns in den letzten Monaten ganz schön anstrengend. 1 Meter 50. Das ist der Abstand, den uns die Virologen und die Politiker verordnet haben, damit das Corona-Virus sich nicht weiter verbreiten kann. Also bin auch ich auf Abstand gegangen: Nicht nur zu den Menschen im Supermarkt und in der S-Bahn. Sondern auch zu meinen Geschwistern und Neffen und Nichten, zu meinem alten Vater und zu meinen ganzen Freundinnen und Freunden. Ich liebe es normalerweise, Menschen zu umarmen. Und es ist ganz schön hart, das über Monate nicht zu tun.

Aber Abstand und Abstandhalten hat auch Gutes an sich. Jetzt in der Urlaubszeit merk ich das ganz besonders. Ich geh auf Abstand zur Arbeit, endlich bekomme ich wieder Distanz zwischen mich und meine Arbeitsberge. Im Homeoffice waren die besonders groß und belastend. Guter Abstand ist das. Und manchmal ist sogar der Abstand zu Menschen gar nicht nur schlecht. Bei manchen merke ich durch den Abstand, wie sehr ich sie vermisse. Aber es gibt gelegentlich auch andere, bei denen ich spüre: Da tut der Abstand sogar gut. Die ziehen mir in normalen Zeiten Energie, kosten mich Kraft. Ich glaube: Ich darf auch mal länger Abstand genießen zu Menschen, die mir nicht so gut tun. 

Einen gibt es aber, der geht nie auf Abstand zu mir, und darüber bin ich richtig froh. Das ist Gott. Ich kann mich von ihm entfernen. Manchmal bin ich von ihm genervt oder richtig wütend auf ihn. Und ich vernachlässige und vergesse ihn ab und zu auch. Aber eigentlich ist mir klar: Gott selbst bleibt immer in meiner Nähe. Egal, was ist. Auch in solchen schwierigen Abstandszeiten wie dieser Corona-Krise. Und das tut mir gut. In der Bibel heißt es einmal: Es ist ja kein Gott, der so nahe ist, wie unser Gott (vgl. Deuteronomium 4,7). Die wichtigste Eigenschaft Gottes ist seine Nähe. Ich bin da! Ist Gottes Name. Und das find ich gerade in diesen Corona-Zeiten ziemlich tröstlich.

 

 

 

 

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren