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Europa, meine Heimat
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Europa, meine Heimat

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Geboren bin ich in Darmstadt. Da ist meine Heimat. Jedenfalls ein Teil davon. Denn im Laufe meines Lebens kamen noch manch andere Orte dazu, die mir Heimat geworden sind. Längst nicht alle in Hessen und nicht einmal in Deutschland. Ich hab ein Jahr in Paris studiert – als neulich die Kathedrale Notre-Dame brannte, musste ich weinen. Auch dort ist ein Stück Heimat für mich. Und wenn ich im Sommer in die Berge fahre und das erste Mal die Gipfel auftauchen, dann hab ich auch das Gefühl: Jetzt komme ich ein bisschen nachhause. Vielen Menschen, die ich kenne, geht das so: Sie haben ihre Heimat in einer Stadt, und doch verbinden sie heimatliche Gefühle auch mit anderen Orten in Europa. Vielleicht mit einem Dorf in Südtirol, in dem sie seit vielen Jahren Urlaub machen. Oder auch mit einer Stadt im heutigen Polen – weil sie oder ihre Familie von dort nach dem Krieg fliehen mussten, aus Schlesien oder Pommern. Und dann sind da noch die vielen jungen Leute heute, die durch Europa reisen wie nie zuvor und noch viel mehr als wir früher in Städten überall in Europa studieren oder eine Ausbildung machen.

Ich finde es wunderbar, dass so ganz Europa immer mehr zur Heimat wird. Und umgekehrt macht es mir Sorge oder sogar Angst, dass es immer mehr Kräfte gibt, die Heimat wieder enger ziehen wollen. Die sagen: Meine Region, mein Land ist die einzige Heimat. Und die muss geschützt werden, durch strengere Grenzkontrollen oder wirtschaftliche Abschottung. Durch Gesetze, die nur für einzelne Länder gelten und nicht für ganz Europa. Dabei ist dieses Europa doch heute so friedlich und so stark, weil es sich zusammengetan hat nach dem Zweiten Weltkrieg. Es waren nicht zuletzt auch christliche Politiker, die sich für solch ein gemeinsames Europa stark gemacht haben. Robert Schuman zum Beispiel; heute vor 69 Jahren hat er in seiner historischen Rede für mehr Europa geworben und damit einen ersten Schritt getan in Richtung Europäische Union.

Ein gemeinsames Europa in Frieden und Eintracht: Ich bete dafür, dass das erhalten bleibt. Und natürlich wähle ich auch dafür, demnächst am 26. Mai bei der Europawahl. Denn meine Heimat – das ist Europa.

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