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Erntedank

Erntedank

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Pastoralreferentin im Zentrum für christliche Meditation und Spiritualität, Frankfurt
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Wenn ich meine kleine Nichte nach ihrem Lieblingsobst frage, strahlt sie mich an und sagt: Mango. Klar weiß sie, dass Mangos etwas Besonderes sind, dass sie nicht hier wachsen wie Äpfel und Pflaumen, aber den Geschmack der exotischen Frucht kennt sie gut – und sie liebt ihn. Ich selbst habe Mangos, diese süßen Früchte, erst mit Anfang 20, in meinem Studienjahr in Brasilien, kennengelernt. Unsere Nachbarn dort hatten einen riesigen Mangobaum.

Am letzten Sonntag wurde in vielen Gemeinden Erntedank gefeiert, mit wunderbaren Erntekörben voller Obst und Gemüse, Brot und Wein. Im Altenheim, in dem ich arbeite, begehen wir das Erntedankfest heute Nachmittag. Wir danken dabei auch für Kaffee und Bananen. Die meisten Heimbewohnerinnen und -bewohner erinnern sich noch gut an die Zeit, als „echter Kaffee“, wie man damals sagte, noch etwas ganz Besonderes war und Bananen als seltene exotische Früchte galten. Diese Zeiten sind lange vorbei.

Früher war klar: Die Menschen dankten an diesem Fest für die Ernte, wohl wissend, dass eine gute Ernte nicht selbstverständlich ist und nicht allein von ihrer Arbeit abhängt. Das Wetter, Sonne und Regen zur richtigen Zeit spielten eine Rolle, ja, und auch Gottes Segen. Inzwischen gehört der weltweite Handel und auch der Klimawandel zum Erntedankfest dazu.

Nach und nach ändert sich der heimische Erntekorb, schon jetzt liegen wie selbstverständlich selbst geerntete Feigen, Pfirsiche und Aprikosen darin. Andererseits bedrohen Wetterextreme immer öfter die Ernte, etwa wenn allzu frühe Wärme die Apfelbäume und Weinstöcke schon sehr früh knospen lässt und anschließender Frost diesen Knospen zur Gefahr wird. 

Heute wissen wir, dass wir Menschen das Klima beeinflussen, dass es also auch in unserer Hand liegt, ob und was es in Zukunft zu ernten gibt. Und dass es von Verträgen, Preisen, fairer Bezahlung und vielen anderem abhängt, ob die geernteten und produzierten Lebensmittel tatsächlich zu den Menschen gelangen, die sie brauchen und nicht vielmehr auf dem Müll landen. Eigentlich ist uns auch klar, dass wir nicht zu viel düngen dürfen, damit der Dünger nicht im Grundwasser, in den Flüssen und im Meer landet, vom Plastik ganz zu schweigen. Und trotzdem passiert es. Erntedank ist ganz schön kompliziert geworden!

Mir kommt es inzwischen so vor, als sei der beste Dank für die Ernte der dankbare und bewusste Umgang mit der Schöpfung. Dazu gehören die alltäglichen Entscheidungen beim Einkauf genauso wie das Äußern der eigenen Meinung. Wenn ich mir es recht überlege, so sind auch die Friday for future-Aktionen eine Form von Erntedank, und das nicht nur im Herbst.

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