Nach Osten, zur Sonne, ausgerichtet
„Wie wird bei Ihnen der Sarg ins Grab gestellt?“ Ich bin auf dem Weg zu einer Trauerfeier, als mich kurz vor der Friedhofskapelle der Bestatter mit dieser Frage überfällt. Ich habe wohl ziemlich verdattert geschaut. Darum liefert er gleich die Erklärung nach: „Bei uns werden die Särge so ins Grab gestellt, dass die Toten nach Osten schauen können, wenn sie sich aufrichten. Also, je nach Ausrichtung des Grabes liegt der Kopf nicht immer unter dem Grabstein.“ Jetzt dämmert es mir, was er mit seiner Frage wollte. Ich kenne das von alten Friedhöfen. Da sind alle Gräber nach Osten ausgerichtet.
Christlicher Brauch: Was bedeutet die Ostung?
Hinter diesem Brauch steht eine sehr ursprüngliche Überzeugung der Christen. Jesus hat seinen Jüngerinnen und Jüngern versprochen: „Ich werde wiederkommen und alle Menschen in das Leben im Himmel führen.“ Und wenn Jesus wiederkommen wird, dann wird er von Osten kommen. So wurde die Sonne, die im Osten aufgeht, zum Zeichen: Christus wird wiederkommen. Darum haben die Christen ihre Kirchen nach Osten ausgerichtet gebaut. Die Menschen in der Kirche schauen beim Beten nach Osten. Das heißt: sie richten sich auf Jesus aus. An ihn richten sie ihre Gebete.
Was sagt die Ausrichtung der Toten über den Tod?
Ich finde, der Brauch, auch die Toten auf Jesus auszurichten, ist ein starkes Zeichen: Das Leben reicht über den Tod hinaus.
Und wenn der Friedhof gleich neben der Kirche angelegt ist, dann bilden die Reihen der Gräber die Verlängerung der Bankreihen in der Kirche. Noch ein starkes Zeichen: Die Toten auf dem Friedhof gehören zu den Lebenden in der Kirche. Gemeinsam richten sie sich auf Jesus aus.
Trost im Glauben: Welcher Bibelvers hilft?
Ich finde, das ist sehr tröstlich.
Ein Satz aus der Bibel bringt das für mich auf den Punkt: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.“ (Röm 14,8)