hr1 ZUSPRUCH
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Griesel, Tanja

Eine Sendung von
Tanja Griesel,
Evangelische Schulpfarrerin, Fritzlar

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Bucketlist

Ein Freund verabschiedet sich von mir. Wir werden uns länger nicht sehen. Für ein halbes Jahr ist er beurlaubt. In dieser Zeit wird er Japan bereisen. Damit erfüllt er sich einen großen Traum und einen wichtigen Punkt auf seiner persönlichen Bucketlist. 

Was ist eine Bucketlist und warum führen so viele Menschen eine?

Der Begriff stammt aus dem Englischen. „Kick the bucket" - Das ist eine Redewendung. Umgangssprachlich steht sie für das Sterben oder den Tod. Sinngemäß beschreibt die Liste also Wünsche oder Träume, die man sich noch erfüllen möchte, bevor es zu spät ist. Eine Bucketlist zu führen, ist schon fast ein Lifestyletrend geworden. Besondere Reisen, Projekte, Träume füllen die Liste. Doch nicht jeder ist in der glücklichen Lage, seine Träume auch wahrwerden zu lassen – so wie mein Freund es tut. Manchmal werden Träume auch nur in Listen sicher verwahrt, aufgeschoben auf ein unbestimmtes Später – wenn ich die Zeit, das Geld oder den Mut dafür habe. 

Träume aufschieben oder endlich anfangen sie zu leben?

Der deutsche Singer-Songwriter Enno Bunger widmet der Bucketlist einen eigenen Song. Er fragt kritisch nach: „Wann fängst du an und erfüllst dir deine größten Träume? Warum nicht heute? Ich schieb' nichts mehr auf meine Bucketlist. Ich leg′ jetzt los, bevor alles im Eimer ist.“

Warum das Leben im Hier und Jetzt beginnt

Diese Worte klingen für mich wie ein Weckruf: Warum warten? Irgendwann ist es vielleicht zu spät. Das Leben passiert heute. Die Bibel rät: „Sorgt euch nicht um morgen; der morgige Tag wird für sich selbst sorgen“ (Matthäus 6,34). Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt – aber ich habe diesen Moment, hier und jetzt. Der muss gar nicht spektakulär werden oder perfekt. 

Weniger warten, mehr leben: Wie kleine Schritte Träume erfüllen

Und wenn ich so Schritt für Schritt meinen Weg gehe, kleine Träume lebe und den Moment schätze – dann wächst vielleicht etwas Größeres daraus. Dann kann ich – irgendwann – im Rückblick auf mein Leben schauen und zufrieden lächeln. Darum: Weniger planen, mehr leben. Oder wie Enno Bunger singt: „Ich werde ich nicht länger warten. Ab heute folgen Taten.“