hr4 ÜBRIGENS
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Müller, Rolf

Eine Sendung von
Rolf Müller,
Pastoralreferent Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Frankfurt

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Die Sagrada Família in Barcelona zeigt ihren beeindruckenden Bau mit hohen Türmen und vielen Baustellenkränen. Die Fassade ist reich verziert, während umgeben von grünen Bäumen und Sträuchern der Eindruck einer majestätischen Kathedrale entsteht.

Für die Ewigkeit!

Ich bewundere dieses Bauwerk in Barcelona, die Kirche Sagrada Familia. Mit ihren gewaltigen Türmen – deren neuester ist mit 170 Metern sogar der größte der Welt! -, ihren geschwungenen Formen und unendlich vielen Ausschmückungen gehört sie zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Spaniens und zum UNESCO-Weltkulturerbe. Heute vor einhundert Jahren ist ihr Architekt, der Künstler Antoni Gaudi, gestorben. Er war ein zutiefst religiöser Mensch. Der Bau seiner Kirche hat ihn 42 Jahre lang bis zu seinem Tod beschäftigt – und die Kirche ist immer noch nicht vollendet. Zu Gaudis 100. Todestag heute kommt Papst Leo nach Barcelona, um den neuen Turm einzuweihen. Aber richtig fertig wird diese Kirche wohl erst in zwanzig Jahren sein.

Gott hat andere Maßstäbe als wir Menschen

Antoni Gaudi wusste schon selbst: Diese Kirche würde er nicht mehr vollendet sehen. Er soll dazu gesagt haben: „Mein Kunde hat keine Eile“. Damit hat er wohl Gott gemeint, denn für ihn wollte er diese Kirche bauen. Mich beeindruckt dieser Satz sehr. Denn er zeigt mir ein wenig, wer Gott ist und wie er sein will. In unserer schnelllebigen und oft hektischen Welt tut es mir einmal gut zu hören: Für Gott sind Eile und Tempo nicht so wichtig. Aber dieser Satz bedeutet für mich noch mehr: Gott will zwar, dass ich für ihn arbeite, aber er schaut nicht nur auf das, was ich nach außen hin fertiggebracht habe. Er schaut auf meinen guten Willen und auf meine Einstellung. Denn dann sorgt er selbst schon für die Vollendung von dem, was ich angefangen habe – genau wie bei der „Sagrada Familia“. Ich brauche also keinen Leistungsdruck zu haben. Denn für Gott zählt „die Ewigkeit“. Und so ist nichts umsonst, was ich in gutem Willen anfange. Denn ich sehe: Gott hat andere Maßstäbe.

Gaudi wusste, dass er diese Kirche nicht mehr vollendet sehen wird

Gaudi hat so für die Ewigkeit gebaut – genau wie die vielen Baumeister des Mittelalters, die auch fast nie die Vollendung ihrer Werke gesehen haben. Ich lerne daraus: Ich darf einfach mal mit was anfangen – denn Gott hat einen langen Atem.