hr4 ÜBRIGENS
hr4
Müller, Rolf

Eine Sendung von

Pastoralreferent Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Frankfurt

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Eine Hand hält ein offenes Buch. Der Finger zeigt auf den Text. Das Bild vermittelt eine ruhige Lesesituation.

Das Lesezeichen-Tagebuch

Vor kurzem habe ich mir einen alten Krimi aus meinem Bücherregal genommen. Ich wollte ihn nach fast 30 Jahren mal wieder lesen. Ich habe das Buch aufgeschlagen und da ist mir ein Lesezeichen entgegen gefallen. Es war nur ein S-Bahn-Fahrschein aus Frankfurt. So hatte ich das früher immer gemacht: Bei einem neuen Buch habe ich das erst beste Stück Papier, das ich zur Hand hatte, als Lesezeichen genommen. Und ich habe mich sofort dran erinnert: damals bin ich immer mit der Bahn zur Uni gefahren, da habe ich viel gelesen und so mancher Fahrschein ist zum Lesezeichen geworden. Für ein paar Momente war meine Studienzeit mit vielen schönen Erinnerungen vor meinen inneren Augen wieder da. Es war wieder eine kleine Auszeit mitten im Alltag für mich, eine kleine nostalgische Reise in die Vergangenheit. 

Vergessene Momente waren plötzlich wieder gegenwärtig

Nur ein paar Tage später habe ich dann ein ganzes Bücherregal in meiner Wohnung umgeräumt. Und da habe ich dann natürlich in jedem Buch nach einem Lesezeichen geschaut. Was ich da alles entdeckt habe! Ein Blatt von einer Speisekarte eines Restaurants, in dem ich früher oft gewesen war und das es heute nicht mehr gibt. Ein Spickzettel aus der Schule war auch mit dabei, genauso wie eine alte Stromrechnung. Ich muss zugeben: Das hat mich eine halbe Stunde Träumen von der Vergangenheit gekostet. An viele Momente, die ich schon fast vergessen hatte, konnte ich mich wieder erinnern. Das hat mir gutgetan, denn mir ist klar geworden: Ich darf sehr zufrieden und dankbar mit meinem Lebensweg bis hierhin sein. 

Ich will diese Art Tagebuch fortführen

Ich habe gemerkt: Meine Lesezeichen in den Büchern sind so etwas wie ein Tagebuch für mich. Sie helfen mir, mich an bestimmte Zeiten in meinem Leben zu erinnern. Ich will diese Art von Tagebuch fortführen. Denn auch heute noch lese ich gerne und ich kaufe mir viele Bücher. Und für die finde ich in meinem Alltag wieder jede Menge Lesezeichen, die ich dann in den Büchern lasse. Ich weiß es ja:  Eines Tages finde ich sie dort und wieder und sie erzählen mir von heute