hr4 ÜBRIGENS
hr4
Häbel, Dr. Ulf

Eine Sendung von

Evangelischer Pfarrer, Laubach-Freienseen

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Schreck lass nach!

Meine Enkeltochter Johanna kam aus dem Kindergarten heim. Sie war ganz aufgeregt. Dann erzählte sie: „Ein Junge hat sich versteckt. Wenn ein anderes Kind vorbeikam, ist er rausgesprungen und hat es erschreckt. Das war gemein.“ Ein Kind war vor Angst wie gelähmt. Ein anderes Kind hat geweint. Ein Junge schwor: „Der kriegt das bei Gelegenheit zurück.“

Was tun bei Angst?

Die Erzieherin hat eingegriffen. „Lass das“, hat sie gesagt. „Da kommt nichts Gutes bei raus, wenn man andere erschreckt.“ Das stimmt – nicht nur im Kindergarten. Schrecken verbreiten, anderen Menschen Angst einjagen, daran ist nichts gut. 

Abschreckung als politisches Prinzip – wirklich sinnvoll?

Das denke ich auch, wenn ich ein ähnlich klingendes in der Zeitung lese. Da heißt es: „Wir müssen glaubwürdig abschrecken.“ Wir bräuchten mehr Soldaten, mehr Panzer und Raketen, Drohnen und Bomben. Was das kostet ist egal, Abschreckung um jeden Preis.

Erziehung zum Frieden – auch für Erwachsene

Es kommt nichts Gutes dabei raus, wenn man andere erschreckt, das gilt nicht nur für die Kindergartenkinder, auch für uns Erwachsene – auch in der Politik. Politik soll doch schließlich für Frieden sorgen zwischen den Völkern, und einstehen für Verständnis und Versöhnung. 

Warum Angst keinen Frieden schafft

Gegenseitige Abschreckung lähmt jede Friedensbewegung. Wenn sich alle gegenseitig in Angst und Schrecken versetzen, erstarrt die Vision von einer friedlichen Welt. Ich weiß auch: Menschen, die in Lebensgefahr sind, müssen geschützt werden. Vielleicht geht das manchmal nur mit militärischer Gewalt.

Abschreckung oder Versöhnung – was bringt uns weiter?

Aber: Abschreckung um jeden Preis; das leuchtet mir als politische Haltung nicht ein. Da wäre mir lieber: Schreck las nach, Versöhnung blühe auf.